Rio Tinto - Aktienanalyse | WKN: 852147

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Im Folgenden möchte ich euch eine detaillierte Aktienanalyse von Rio Tinto präsentieren. Da zu einer umfassenden Fundamentalanalyse mehr als nur das blanke Zahlenwerk gehört, habe ich diese in drei Abschnitte unterteilt. Ich beginne daher zunächst mit der qualitativen Analyse, um ein besseres Unternehmensverständnis zu vermitteln. In weiterer Folge möchte ich in Form einer quantitativen Firmenanalyse auf die finanziellen Kennzahlen der Aktiengesellschaft eingehen. Zuletzt prognostiziere ich den zukünftigen Unternehmenswert der Aktiengesellschaft und verweise auf den, durch meine Kalkulation bestimmten, fairen Aktienwert. Aus dieser Berechnung ergibt sich schließlich die Einstufung des Wertpapiers in „Sell“, „Hold“, oder „Buy“.

Qualitative Analyse Rio Tinto

Rio Tinto ist ein 1873 gegründeter britisch-australischer Bergbaukonzern – die Geschäftstätigkeit definiert sich folglich aus Rohstoffhandel. Der Konzern beschreibt dabei im Wesentlichen vier Kernsegmente: Eisenerz, Kupfer & Diamanten, Aluminium sowie Energie & Minerale.

Eisenerz:

Mit Stand Dezember 2020 operiert das Bergbauunternehmen sechzehn Eisenerzminen in Westaustralien. Damit gehört Rio Tinto zu den größten Eisenerzproduzenten weltweit. Der Umsatz in dem finanziell ausgeprägtesten Segment beläuft sich im Jahr 2020 auf mehr als 27 Millionen US-Dollar, die in mehr als elf Millionen Dollar Gewinn resultieren. Die gelieferten Mengen an Eisenerz haben sich in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant gehalten. In Bezug auf diese Kennzahl ist folglich in den letzten Jahren von Wachstum kaum etwas zu berichten. Im vergangenen Jahr war die Liefermenge auf 330,6 Millionen Tonnen angestiegen, was einer Erhöhung von einem Prozent zum Vorjahr entspricht. Das größte aktuelle Projekt ist die Mine in Gudai-Darri. Diese soll in 2022 fertiggestellt, primär mit Energie aus Solarpanels gespeist werden und bis zu 43 Millionen Tonnen an Eisenerz liefern können.

Aluminium:

Die zweitgrößte Firmensparte stellt der Rohstoff Aluminium dar. Als ein weltweit führender Aluminiumproduzent spezialisiert sich das Unternehmen auf die Förderung von Bauxit, Aluminiumoxid sowie Aluminium per se. Hierunter zählen vier Bauxit Minen in Australien, Brasilien und Guinea, vier Aluminium-Raffinerien in Australien, Brasilien und Kanada sowie vierzehn Aluminium-Schmelzöfen in Kanada, Neuseeland, Island, Australien und Oman. Hervorzuheben, die Betriebstätigkeit in den kanadischen Werken beruht dabei auf einhundert Prozent erneuerbarer Wasserkraftenergie. In 2020 belief sich die Produktion an Bauxit auf 56 Millionen Tonnen (Anstieg von zwei Prozent zum Vorjahr), acht Millionen Aluminiumoxid (vier Prozent Wachstum zu 2019) sowie einer zum Vorjahr gleichbleibenden Aluminiumproduktion von 3,1 Millionen Tonnen. Dies führte zu einem Umsatz von 9,3 Millionen US-Dollar in 2020 bei einem Gewinn von 471 Millionen. In diesem Bereich ist derzeit kein größeres Projekt geplant, lediglich die Erweiterung um einem zweiten Tunnel im Wasserkraftwerk in Kitimat, Kanada.

Kupfer & Diamanten:

Neben Kupfer wird in diesem Segment auch Gold, Silber, Molybdän und andere Materialien wie Rhenium produziert. Der Konzern beliefert damit Kunden in China, Japan und den USA. In diesem Bereich plant das Unternehmen weitere größere Projekte wie die Kupfer-/Goldmine in der Mongolei, die mit dem Ausbau ab 2028 bis zu 300 Tausend Tonnen mehr Kupfer produzieren kann als bisher. Zusätzlich existiert das Resolution Copper Project in Arizona, das das Potenzial birgt, ein Viertel der jährlichen, amerikanischen Kupfernachfrage zu bedienen. Hier befindet sich Rio Tinto allerdings noch in den Kinderschuhen. Die Menge an raffiniertem (- 40 Prozent) sowie an abgebauten Kupfer (-9 Prozent) nahm in 2020 im Vergleich zu 2019 stark ab. Die Gründe hierfür waren externe Faktoren wie Erdbeben, schlechtes Marktumfeld im ersten Halbjahr sowie Einschränkungen aufgrund der Covid-19 Pandemie. Die schnelle und überproportional Erholung des Kupferpreises konnte diese reduzierte Menge mehr oder weniger ausgleichen, wodurch die Umsatzerlöse nur um sieben Prozent einbrachen. Auf Basis von Kosteneinsparungen konnte sogar ein höherer Gewinn als 2019 erzielt werden. Der Anstieg belief sich dabei auf circa 38 Prozent. 

Energie und Mineralien:

Das kleinste Segment des Konzerns, das Energie & Mineralien-Portfolio umfasst eine Reihe globaler Unternehmen – hierunter fällt die Herstellung von hochwertigem Eisenerzkonzentrat und Pellets; Titandioxid, Rutil und Zirkon; Borate und Lithium und Uran – die jeweils führend in ihren entsprechenden Branchen sind. Der Umsatz fiel im Jahr 2020 um drei Prozent auf fünf Milliarden US-Dollar, während der Gewinn um sechs Prozent auf 577 Millionen fiel. Unter dieses Segment fällt das sogenannten „Jadar“ Projekt in Serbien. Gemäß des Halbjahresberichtes plant man die Fertigstellung 2026 vermelden zu können. Die Region stellt dabei eine Fördermenge von jährlich circa 55.000 Tonnen an Lithiumcarbonat sowie mehrere hunderttausend Tonnen an Boroxid und Sodiumsulfat zur Verfügung. Dies stellt eine Erweiterung des Segments und damit auch der Produktpalette dar. Demnach soll ab 2026 auch Lithium an Rio Tinto’s Kunden geliefert werden.  

In diesem Abschnitt möchte ich lapidar auf die Konkurrenzsituation des Unternehmens eingehen. In diesem Kontext sind primär drei weitere globale Bergbaukonzerne zu berücksichtigen: BHP Group, Vale S.A. sowie Glencore International. Selbstverständlich ist der Rohstoffmarkt voller weiterer Konkurrenten, ich möchte mich hier allerdings auf die größten drei beschränken. Einige Kennzahlen für den schnellen Überblick habe ich dir in der folgenden Tabelle dargestellt:

Unternehmen Umsatz 2020 KGV KUV KBV Aktienkurs Marktkap. (Mrd.) Div.rendite 2020 (%)
BHP Group $42 931.00 18.99 3.52 2.89 $29.81 $151.11 5.63%
Vale S.A. $40 018.00 21.74 2.62 6.97 $20.65 $105.93 2.07%
Glencore International $142 338.00 - 0.17 1.99 $4.70 $68.56 1.86%
Rio Tinto $44 611.00 13.28 2.93 2.52 $80.24 $130.54 5.59%

Beginnend mit der Vale S.A., ehemals Companhia Vale do Rio Doce (CVRD), die ihren Firmensitz in Brasilien, genauer genommen in Rio de Janeiro besitzt, zählt ergänzend zu Rio Tinto und BHP zu einem der drei größten Bergbauunternehmen weltweit. Der Konzern wurde 1942, damals noch als staatseigene Firma gegründet. Mit Ende des 20 Jahrhunderts folgte allerdings die Privatisierung. Aktuell werden unter anderem Rohstoffe wie Eisenerz, Kohle, Kobalt, Mangan oder Kupfer gefördert. Dabei liegt der größte Schwerpunkt, analog zu Rio Tinto, im Eisenerz-Markt.

Genauso wie Rio Tinto ist die BHP Group ebenfalls ein australisch-britischer Bergbaukonzern. Das Unternehmen fördert unter anderem Petroleum, Kupfer und Eisenerz sowie Koks- als auch Energiekohle. Auf Basis der 2001 durchgeführten Fusion mit dem britischen Unternehmen Billiton kann BHP heute als der größte Bergbaukonzern weltweit betrachtet werden. Im Rohstoffhandel ist dabei Glencore International gleichermaßen aktiv. Der 1974 in der Schweiz gegründete Konzern fördert hauptsächlich Kupfer, Bauxit, Eisenlegierungen und Kohle. Umsatztechnisch ist zu erkennen, dass das Unternehmen deutlich höhere Roherträge erzielt als die anderen dargestellten Wettbewerber. Das liegt unter anderem an einem nicht komplett deckungsgleichen Geschäftsmodell.

Ich möchte dabei kurz auf die unterschiedlichen dargestellten Kennzahlen eingehen. Diese ergeben sich auf Basis aktueller Aktienkurse (bei Rio Tinto $80,00) zu den finanziellen Kennzahlen zum Jahresabschluss 2020. In Bezug auf das KGV ist Rio Tinto dabei mit einem deutlichen Abstand zur BHP Group am günstigsten bewertet. Glencore kann dabei nicht einmal einen Wert aufweisen, da die Firma im Jahr 2020 Verluste schreiben musste. Das KUV ist weiter bei allen drei Bergbaukonzernen relativ ähnlich. Aufgrund der mäßigeren Geschäftslage bei Glencore ist ein klarer Abschlag erkennbar, der sich in gleicher Weise beim KBV widerspiegelt. Im Vergleich der reinen Bergbaukonzerne ist Rio Tinto bei dieser Kennzahl erneut am billigsten bewertet. Vor allem Vale weist deutlich höhere Werte als die beiden britisch-australischen Konkurrenten aus. Aufgrund steigender Rohstoffpreise im laufenden Jahr ist dabei von deutlich geringeren Bewertung der Konzerne zum Ablauf der Geschäftstätigkeit 2020 auszugehen (siehe Punkt 3). Nichtsdestotrotz, Rio Tinto beweist im Peer Group Vergleich definitiv, dass es in Relation zu seinen Konkurrenten günstiger bewertet ist. Mit Annahme eines identen KGV der BHP Group, wäre beispielsweise ein Aktienkurs von über 114 Dollar denkbar.

In diesem Abschnitt möchte ich die Kernmärkte des Unternehmens durchleuchten. Diese definieren in erster Linie die Rohstoffmärkte von Eisenerz, Kupfer, Aluminium, Diamanten sowie andere Mineralien und Metalle. Ich möchte dabei auf die umsatzstarken Segmente Eisenerz, Kupfer und Aluminium eingehen. Diese weisen auch die größten EBITDA-Effekte auf. Aus dem aktuellen Halbjahresbericht geht beispielsweise hervor, dass im Falle einer Reduktion des Eisenerzpreises um zehn Prozent, sich das EBITDA um mehr als 4 Milliarden Dollar verringern würde (nicht linear vorschreibbar). Hier liegt folglich eine nicht zu verneinende Abhängigkeit vor. Die zweistärkste Abhängigkeit beruht weiter auf dem Aluminiumpreis. Eine Reduktion um zehn Prozent würde eine Verringerung des EBITDA von 784 Millionen Dollar zur Folge haben. Bei Kupfer wären dies analog dazu 478 Millionen Dollar.

Zunächst möchte ich den Eisenerz-Markt etwas genauer unter die Lupe nehmen. Im Mai diesen Jahres konnte der Preis für eine Tonne des Rohstoffs erstmals die Marke von 200 Dollar überschreiten. In den letzten fünf Jahren wuchs der durchschnittliche Rohstoffpreis jährlich um mehr als fünfzehn Prozent. In diesem Jahr konnte er sogar noch stärker zulegen, da die enorme Stahl –  Nachfrage aus China gepaart mit Lieferproblemen seitens Vale zu einer Angebotsknappheit ab Mitte des Jahres 2020 führte. Aktuell ist der Eisenerzpreis ein wenig gefallen, nämlich unter 170 Dollar. Fitch & Solutions geht dabei von einem weiteren Kursverfall aus, der zu einem Durchschnittspreis von circa 160 Dollar im Jahr 2021 führen sollte. 2022 soll dieser Jahreswert weiter auf 130 Dollar sinken. Bis 2025 soll dieser dabei auf 75 Dollar und bis 2030 sogar auf bis zu 63 Dollar je Tonne Eisenerz fallen. Dies würde einer Reduktion auf den Durchschnittswert aus dem Jahre 2018 entsprechen. Damals wurde ein EBITDA von 11,33 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Sieben Milliarden weniger als 2020, allerdings wurde damals auch mehr als 18 Prozent weniger an Eisenerz gefördert. Nichtsdetotrotz, das EBITDA könnte um etwas weniger als vierzig Prozent einbrechen.

Für den Rohstoff Kupfer ist dagegen ein anders gerichteter Trend zu erkennen. Anders als die zukünftige Stahlnachfrage wird der Kupferpreis umso mehr vom Klimawandel getrieben. Für den Wechsel von Brenner- zu Elektromotoren wird in Bezug auf den Kupfergehalt je Elektrofahrzeug mehr als das Dreifache and Kupfer benötigt. Zusätzlich wirkt die horrende Nachfrage aus China ebenfalls kurstreibend. Dieses Jahr konnte die Schwelle von 10.000 Dollar je Tonne Kupfer durchbrochen werden. Von Experten wird ein Wachstum auf bis zu 15.000 Dollar bis 2030 erwartet. Goldman Sachs geht von diesem Preis bereits im Jahre 2025 aus. Fitch Solutions geht dagegen von einem Verfall auf bis zu 7.250 Dollar je Tonne aus, während Jeffries lediglich von einer kleineren Steigerung auf 11.000 Dollar ausgeht. Der hohe Kupferpreis äußert sich bereits zum Halbjahr 2021. Hier konnte sich das EBITDA um knapp zweihundert Prozent erhöhen.

Zuletzt möchte ich noch den Aluminium – Preis betrachten. Trotz mehr oder weniger gleichbleibender Produktion konnte das EBITDA zur Jahreshälfte im Vorjahresvergleich um mehr als hundert Prozent zulegen. Neben Kosteneinsparungen hängt das ebenfalls mit einem durchschnittlich 42 Prozent höheren Aluminiumpreis zusammen. Die Weltbank schätzt für die Zukunft einen Preis von durchschnittlich 2.400 Dollar je Tonne Aluminium. Dies entspricht in etwa dem aktuellen Niveau. Die Bank geht aber auch davon aus, dass der Preis zunächst wieder in Richtung 2.000 Dollar zurückwandert, bevor es wieder nach oben geht. Viel Potential ist also in diesem Segment ebenfalls nicht mehr zu erwarten.

Generell ist zu konstatieren, dass gerade in den Kernsegmenten keine wirklichen Erhöhungen in den Rohstoffpreisen (mit Ausnahme von Kupfer) zu erwarten sind. Allerdings bewegen wir uns aktuell bereits auf einem außerordentlich hohen Niveau, welches sich im laufenden Jahr mit Umsatzzuwächsen von über sechzig Prozent bemerkbar machen wird. Zieht man das Niveau von 2020 heran, dann ist noch weiteres Potenzial vorhanden. Zusätzlich wird Rio Tinto mit dem Jadar  – Projekt in den Lithium Markt einsteigen. Dieser könnte zu Profiten von bis zu zwei Milliarden US-Dollar in 2026 führen. Großprojekte im Kupferbereich könnten außerdem zu einer wachsenden Produktion in einem sicherlich in Zukunft lukrativen Segment führen.

Quantitative Analyse Rio Tinto

In diesem Abschnitt möchte ich auf die wichtigsten quantitativen Kennzahlen des Unternehmens eingehen. Diese habe ich in der nachstehenden Tabelle dargestellt. Im Anschluss ziehe ich ein Resümee bezüglich der generellen finanziellen Lage der Aktiengesellschaft.

Kennzahlen zur Unternehmensbewertung:

Ich habe hier sechs Kennzahlen im Rahmen der Unternehmensbewertung dargestellt. Wichtig hierbei, ich gehe für die Werte aus dem Jahr 2020 von dem aktuellen Kursniveau aus – sprich 68€ oder in Bezug auf die angewendeten Bewertungskriterien circa 80 US-Dollar. Es zeigt sich, dass im Vergleich zum vorherigen Jahr die Bewertung der Aktiengesellschaft an Attraktivität gewonnen hat. Das KGV liegt aktuell noch bei über 13, wird sich allerdings Prognosen sowie den Q2-Zahlen zufolge zum kommenden Jahr ins Einstellige bewegen. Demnach ist folglich mit einer Verbesserung aller Kennzahlen zur Unternehmensbewertung auszugehen.

Ausschüttungskennzahlen:

Hier möchte ich primär kurz und prägnant auf die Dividendenrendite eingehen. Diese variierte in den letzten Jahren mehrmals was die große Abhängigkeit vom operativen Geschäft widerspiegelt. In diesem Jahr lag die Dividendenrendite zum Beispiel bei mehr als 8 Prozent – der veranschaulichte Wert bezieht sich dabei auf der gleichen, letztjährigen Ausschüttungsmenge zum aktuellen Kursniveau. Dabei würde die Rendite etwas mehr als 3,5 Prozent betragen.

Rio Tinto kann folglich durchaus für Dividendenjäger in Betracht gezogen werden. Man erkennt zugleich, das Unternehmen kann sich die hohen Dividendenzahlungen durchaus leisten. Denn generell gilt, die Free Cashflow Rendite sollte die Dividendenrendite stets übertreffen. Im Falle eines langfristigen Unterschreitens, ist die Auszahlung der Dividende nicht nachhaltig, da sie aus der Substanz oder auf Basis einer Fremdkapitalaufnahme bezahlt wird. Bei Rio Tinto trifft dies dagegen nicht zu.

Ertrags & Rentabilitätskennzahlen:

In nahezu allen Kennzahlen sind relativ hohe und damit wünschenswerte Werte vorzufinden. Einzig und allein der Kapitalumschlag und damit die Produktivität des Unternehmens spiegelt keinen Vorzeigewert wider. Das ist allerdings der Branche von Rio Tinto zuzuschreiben und absolut normal. Aufgrund des hohen bilanziellen Anteils der Sachanlagen (aufgrund der außerordentlichen Notwendigkeit) und dem damit verbundenen Aufblähen der Bilanzsumme wird der Kapitalumschlag automatisch gedrückt. Umso erstaunlicher wirken daher die Gesamtkapitalrendite von mehr als zehn Prozent sowie der beeindruckende ROI von mehr als sechszehn Prozent. Des Weiteren belegt der Bergbaukonzern das profitable Rohstoffgeschäft – so können EBIT – & EBITDA – Margen von über 35 beziehungsweise 50 Prozent erzielt werden. Auch konnten diese in den letzten Jahren konstant zulegen, was zum einen mit erhöhten Rohstoffpreisen, zum anderen aber auch mit kosteneffizienten Einsparungen einhergeht. Hohe Bedeutung, gerade im Kontext konstanter Dividendenzahlungen, genießt die Umsatzverdienstrate, also dem Verhältnis des operativen Cashflows zum Umsatz. Auch diese Kennziffer konnte in den letzten fünf Jahren konstant wachsen und somit nachhaltige Zuflüsse generieren.  

In der Umsatzrendite befindet sich mehr oder weniger ein Ausreißer im Jahr 2018. Hier ergaben sich aus der Veräußerung von Unternehmensteilen Einmaleffekte, die nichts mit dem nachhaltigem Geschäft zu tun hatten. Dies zeigt sich dabei auch in der Eigenkapitalrendite. Folglich kann von einem konstanten Wachstum der wichtigsten Kennziffern die Rede sein. Denn unterm Strich lassen sich hier bemerkenswerte Ertrags- und Rentabilitätskennzahlen erkennen.

Kennzahlen zur finanziellen Stabilität:

Bei diesen Kennzahlen wird die außerordentlich starke finanzielle Positionierung von Rio Tinto eindeutig ersichtlich. Das Gearing, welches die Nettoliquidität im Verhältnis zum Eigenkapital beschreibt, liegt unter zehn Prozent. Der dyamische Verschuldungsgrad dabei bei unter 0,4. Rio Tinto hat also bei aktuellem Geschäftsverlauf keinerlei Probleme, seine Schulden abzubezahlen. Dies offenbart sich ebenso im Verhältnis der Nettoverbindlichkeiten zum EBITDA. Das Unternehmen muss demzufolge lediglich fünfzehn Prozent des EBITDA verwenden um in eine Net-Cash Position zu gelangen (die Entwicklung zeigt ganz klar in diese Richtung). Aus den aktuellen Halbjahreszahlen ist diese Net-Cash Position bereits erkennbar. Das bedeutet, Rio Tinto verfügt über mehr liquide Mittel als über finanzielle Verbindlichkeiten.

Die Wachstumsquote von konstant über hundert Prozent belegt, das Unternehmen hat höhere CAPEX, also Sachinvestitionen, als es abschreibt. Es wächst also weiterhin. Die Eigenkapitalquote weist in den letzten Jahren einen durchaus soliden Wert von etwas mehr als fünfzig Prozent aus. Die Anlagendeckungsgrade beschreiben ebenfalls wünschenswerte Zahlen während einzig und allein beide Intensitätskennzahlen Inflexibilität in der Anpassung der Geschäftsprozesse verheißen. Wie allerdings bereits schon beschrieben, resultiert dies aus dem Geschäftsmodell mit großem Anteil an Sachanlagevermögen.

Working Capital – Management Kennzahlen:

Bei den WC – Kennzahlen ist für mich ein Blick auf die drei Liquidationsgrade unabdingbar. Auch diese beweisen weiter die ausgesprochen gute finanzielle Stabilität der Firma. Die Rede könnte hier allerdings von einer zu hohen Cash-Ratio sein. Die starke finanzielle Situation bedeutet ebenso eine zu starke Kapitalbindung im Unternehmen. Um das Working Capital besser zu managen, müsste daher ein Teil des Cash wieder stärker reinvestiert werden. Mit teils hohen Neuinvestitionen sowie hohen Dividendenausschüttungen wird daher der zu starken Kapitalbindung entgegengetreten.

Der negative Geldumschlag zeigt zusätzlich, wie smart das Unternehmen mit seinen operativen Verbindlichkeiten umzugehen weiss. Das bedeutet, Rio Tinto steht länger zinsfreies Kapital im Sinne von Verbindlichkeiten aus LuL wie gebundenes Kapital (Vorräte sowie Forderungen aus LuL) zur Verfügung. Dies kann wie zinsfreie Kredite angesehen werden. Prinzipiell beruht dieser ausgesprochen gute Wert aus einem hervorragenden Forderungsmanagement. Die Debitorenlaufzeit ist dabei um circa hundert Tage geringer als die Kreditorenlaufzeit.

Kennzahlen zum Unternehmenswachstum:

In diesem Abschnitt möchte ich unter anderem die Compound Annual Rate hervorheben. Diese beschreibt das Umsatzwachstum in den letzten fünf Jahren. Dies beträgt im Schnitt etwas mehr als sechzehn Prozent. Außerdem erweist sich, wie auch schon in den anderen Kennzahlen ersichtlich, dass sich Rio Tinto stets um die Kürzung seiner Finanzverbindlichkeiten in den letzten Jahren bemühte. Diese fielen in drei der letzten vier Jahre um nennenswerte Prozentsätze. Die Umsatzerlöse konnten ebenfalls in den letzten Jahren zulegen, wenn auch nicht wahnsinnig viel. Im laufenden Jahr zeichnen sich allerdings Steigerungen um mehr als fünfzig Prozent ab. Diese basieren auf horrenden Rohstoffpreisen speziell für Eisenerze aus dem ersten Halbjahr 2021. Das Free Cashflow-Wachstum zeigt sich mehr oder weniger im Nullbereich im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ist allerdings zu erwähnen, dass der Free Cashflow bereits mit knapp zehn Milliarden Dollar auf einem sehr hohen Niveau verweilt. 

Zusammenfassung der finanziellen Kennzahlen:

Für mich sind die ausgewiesenen finanziellen Kennzahlen von Rio Tinto wirklich beindruckend. Diese offenbaren ein lukratives Geschäftsfeld mit kombinierten, hochgradig ausgeprägten Managementkenntnissen. Es gibt eigentlich keine nennenswerte Kritik an den Zahlen zu verlauten. Die Frage stellt sich nun, ob diese starke finanzielle Situation bereits in den Aktienkurs eingepreist ist, oder ob hier noch das ein oder andere Potenzial schlummert. Dies zeigt die folgende Aktienanalyse von Rio Tinto.

Die Unternehmensbewertung

Eine umfassende Unternehmensbewertung ist stets mit der Aufstellung einer Vielzahl unterschiedlichster Prognosen verbunden. Hierzu zählen in erster Linie die Umsatzerlöse, die EBIT- respektive EBITDA-Marge sowie die Eigenkapitalkosten. Damit möglichst genaue Prognosen getroffen werden können, gilt es sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu blicken.

Prognose der Umsatzerlöse

Bei der Abschätzung der Nettoerlöse wurden Vergangenheitsdaten bezüglich der Performance der Segmente von Rio Tinto sowie die zu erwartenden Rohstoffpreise in Kombination mit möglichen Fördermengen in Betracht gezogen. Die vergangenen Umsätze sowie deren Wachstumsraten habe ich in der folgenden Tabelle dargestellt.

Segment Durschn. Wachstumsrate 2020 2019 2018 2017
Eisenerz $27 508.00 $24 075.00 $18 731.00 $18 251.00
{%] Wachstum 15.14% 14.26% 28.53% 2.63% 24.96%
Kupfer & Diamanten $5 428.00 $5 815.00 $6 468.00 $12 191.00
{%] Wachstum -21.23% -6.66% -10.10% -46.94% 10.78%
Aluminium $9 314.00 $10 340.00 $12 191.00 $6 468.00
{%] Wachstum 21.13% -9.92% -15.18% 88.48% 33.58%
Energie & Mineralien $5 014.00 $5 150.00 $5 451.00 $5 697.00
{%] Wachstum -4.16% -2.64% -5.52% -4.32% -26.62%

Für den zu erwartenden Umsatz 2021 habe ich die Halbjahreszahlen von Rio Tinto herangezogen. In weiterer Folge habe ich die verkaufte Menge an Rohstoffen in das Verhältnis der zu erwartenden Absatzmengen gesetzt (hier habe ich das unterste Limit der angegebenen Zielwerte verwendet). Da ich von einem Preisverfall, vor allem im Segment Eisenerz, im Vergleich zur ersten Jahreshälfte ausgehe (analog zu einigen Bankenhäusern), habe ich den zu erwartenden Umsatz bei gleichen Preisen mit dem Faktor 0,95 multipliziert. Analog dazu habe ich für die zukünftigen Umsatzprognosen die relativen, zu erwartenden, Veränderungen in den Rohstoffpreisen berücksichtigt. Ergänzend bin ich davon ausgegangen, dass sich die Absatzmengen marginal erhöhen, da vergangene Werte stets noch von Covid-19 Beschränkungen beeinflusst waren und zukünftige Projekte finalisiert werden. Zu weiteren Vergleichen habe ich die Prognosen seitens Rio Tinto (öffentlich zugänglich) bis 2022 verwendet.

In der untenstehenden Darstellung erkennt man, das gerade der zu erwartende Preisverfall von Eisenerz (Kalkulation bis 2025 auf 75 Dollar je Tonne) enorme Auswirkungen auf das Geschäft des Unternehmens haben wird. Aufgrund der zu erwartenden höheren Produktionen in den kommenden Jahren, habe ich den Umsatz in diesem Segment daher zwischen fünfzehn bis zwanzig Prozent einbrechen lassen. Gegen Ende des definierten Prognosezeitraums flacht dieser Abfall eindeutig ab. Im Kupferbereich gehe ich von leicht ansteigenden Preisen aus, während ich bei Aluminium von gleichbleibenden Kursen ausgehe. Im Mineralien und Energie Segment ist bis 2026 von konstant abnehmenden Umsätzen auszugehen. Mit Erschließung des Jadar-Projektes in 2026 sollte sich dieses Szenario umdrehen. Hier erwarte ich erstmalige Erlöse von circa zwei Milliarden Euro, basierend auf der produzierbaren Menge an Lithium. Da das Projekt erst Mitte 2026 fertiggestellt sein soll, kalkuliere ich hierbei mit dem halbierten Umsatz. Generell zeigt sich die Abhängigkeit Rio Tintos von den Rohstoffpreisen. Das Unternehmen ist dennoch stets bemüht, gerade im Kupfer wie auch im Lithium Bereich, entscheidende Schritte zu tun, um seine Produktion nachhaltig erhöhen zu können.

Die letztendlichen Umsatzerwartungen kannst du in der folgenden Darstellung genauer betrachten. Ab dem Jahre 2027 wird von einem ewigen Wachstum von drei Prozent ausgegangen. Dadurch können die Umsätze in den Folgejahren annäherungsweise geschätzt werden.

Segment 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027
Prognose Umsatzerlöse $68 665.15 $59 018.08 $53 682.16 $49 155.72 $44 492.49 $45 166.02 $46 627.30
[% - Veränderung] 53.92% -16.35% -9.94% -9.21% -10.48% 1.49% 3.13%
Eisenerz $44 156.00 $35 564.00 $30 229.40 $25 694.99 $21 069.89 $20 437.80 $19 824.66
[% - Veränderung] 10.00% -19.46% -15.00% -15.00% -18.00% -3.00% -3.00%
Kupfer $7 180.10 $7 539.11 $7 840.67 $7 840.67 $8 075.89 $8 641.20 $9 418.91
[% - Veränderung] 4.00% 5.00% 4.00% 0.00% 3.00% 7.00% 9.00%
Aluminium $10 952.55 $9 857.30 $9 857.30 $10 153.01 $10 153.01 $10 153.01 $10 153.01
[% - Veränderung] -10.00% 0.00% 3.00% 0.00% 0.00% 0.00%
Energie & Mineralien $6 376.50 $6 057.68 $5 754.79 $5 467.05 $5 193.70 $5 934.01 $7 230.71
[% - Veränderung] -5.00% -5.00% -5.00% -5.00% 14.25% 21.85%
Lithium (spielt in E&M ein) $1 000.00 $1 000.00

Prognose der EBIT/EBITDA-Marge

Der Ursprung der zu verwendeten EBITDA-Marge ergibt sich aus dem Jahr 2020 ergänzt um neuere Daten aus dem Halbjahresbericht 2021. Zusätzlich ziehe ich auch hier die Prognose von Rio Tinto in der Aktienanalyse in Betracht. Das Unternehmen geht demzufolge von einem Abfall der EBITDA-Marge in 2022 auf circa 56 Prozent (von erwarteten knapp 63 Prozent in 2021) aus. Da die einzelnen Segmente basierend auf unterschiedlichsten Effekten schwierig zu prognostizieren sind, betrachte ich die absoluten operativen Kosten aus den Jahren 2018 sowie 2019. Ich wähle diese beiden Jahre, da sie noch nicht durch die Covid-Pandemie beeinflusst wurden. Hier wies Rio Tinto beispielsweise operative Kosten von 22,386 beziehungsweise 21,968 Mrd. US-Dollar auf. Folgende Tabelle verdeutlicht dir den Wert der operativen Kosten von 2018 – 2022. Die Jahre 2021/2022 entnehme ich dabei den Prognosen des Bergbaukonzerns.

Operative Kosten 2018 2019 2020 2021 2022
Iron Ore $7 092.00 $7 745.00 $8 671.00 $11 022.98 $10 090.81
Aluminium $9 096.00 $8 055.00 $7 162.00 $7 856.17 $8 021.18
Copper $3 692.00 $3 742.00 $3 256.00 $2 992.61 $3 206.98
Minerals $3 311.00 $3 388.00 $3 368.00 $3 190.55 $3 332.84
Total inkl. sonst. Effekte $22 386.00 $21 968.00 $20 709.00 $26 000.62 $25 372.04

Die explizite Betrachtung des Eisenerz-Segments veranschaulicht stark erhöhte operative Kosten im Geschäftsjahr 2021. Die Einzelkosten je Tonne Eisenerz waren bereits in der ersten Jahreshälfte 2021 um mehr als drei Dollar je Tonne teurer als zur gleichen Periode im Vorjahr (+ 23 Prozent). Gründe hierfür waren unter anderem andauernde Covid-19 Kosten, Währungsaufwertungen des australischen Dollars sowie höhere Frachtkosten. Für 2021 wird in diesem Segment von einer EBITDA-Marge von 75 Prozent ausgegangen. Diese niedrigere Marge im Vergleich zum Halbjahreswert 2021 (79 Prozent) resultiert in erwarteten höheren Input-Kosten (Diesel und Arbeit) für die zweite Jahreshälfte. In 2021 steigen also die Kosten je Tonne Eisenerz um mehr als zwanzig Prozent. Wegfallende Zusatzkosten für Covid-19 sowie Kosteneinsparungen werden in weiterer Folge zu einer zukünftigen Reduktion der operativen Kosten führen. Das Unternehmen geht dabei selbst von einer Verringerung um mehr als acht Prozent in 2021 aus (siehe obige Tabelle) aus. 

Für die Prognose der zukünftigen EBITDA-Margen gehe ich davon aus, dass sich die operativen Kosten bis 2027 ungefähr jenen aus 2019 angleichen. Damit steht 2027 auch eine EBITDA-Marge von etwas mehr als 51 Prozent zu Buche – dies entspricht etwas mehr als zwei Prozent als 2019. Ich gehe hierbei von einer Erholung des amerikanischen Dollars im Vergleich zum australischen sowie von einer Rückkehr der Förderungskosten aus den Vor-Corona-Jahren aus. Zu erwartende steigende Löhne führen dennoch zu einer Erhöhung der operativen Kosten im Vergleich zu 2019.

Um die EBIT-Marge prognostizieren zu können, lohnt sich ein Blick in den Geschäftsbericht des Unternehmens. Hier greift das Unternehmen im Anhang genau auf, wie sich der Profit before Taxes and Interest der Firma ermitteln lässt. Hierfür zieht Rio Tinto nicht nur die Abschreibungen sowie die Amortisation der Anlagewerte vom EBITDA ab, es folgen ebenso noch Impairment Werte (außerordentliche Wertberichtigungen/Abschreibungen) sowie die Abschreibungen, Amortisationen, Steuern und Finanzergebnisse der At-Equity-bilanzierten Einheiten. Gerade Abschreibungen und Amortisationswerte waren in den letzten Jahren relativ konstant. Hierbei rechne ich einen kleinen Aufschlag und lasse diese Beträge mit jährlich fünf Prozent ansteigen. Die anderen Aufwände berechne ich auf Basis der 2021 – Halbjahreswerte und lasse diese ebenfalls um einen konstanten Prozentsatz ansteigen.

Kosten-/Erlösfaktor 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027
Umsatzerlöse $68 665.15 $59 018.08 $53 682.16 $49 155.72 $44 492.49 $45 166.02 $46 627.30
Operative Kosten $26 000.62 $25 372.04 $24 500.00 $23 984.00 $23 584.00 $22 954.00 $22 784.00
% - Änderung 25.55% -2.42% -3.44% -2.11% -1.67% -2.67% -0.74%
EBITDA $42 664.53 $33 646.03 $29 182.16 $25 171.72 $20 908.49 $22 212.02 $23 843.30
EBITDA - Marge 62.13% 57.01% 54.36% 51.21% 46.99% 49.18% 51.14%
Impairment $600.00 $1 000.00 $1 200.00 $1 440.00 $1 728.00 $2 073.60 $2 488.32
Abschreibung & Amortisation $4 500.00 $4 725.00 $4 961.25 $5 209.31 $5 469.78 $5 743.27 $6 030.43
Abschreibung & Amortisation in Equity-bilanzierte Einheiten $550.00 $555.50 $561.06 $566.67 $572.33 $578.06 $583.84
Steuern und Finanzergebnis in Equity-bilanzierte Einheiten $600.00 $720.00 $792.00 $871.20 $958.32 $1 054.15 $1 159.57
EBIT - Marge 53.03% 45.15% 40.36% 34.76% 27.38% 28.26% 29.13%
EBIT $36 414.53 $26 645.53 $21 667.85 $17 084.55 $12 180.06 $12 762.95 $13 581.15

Prognose der Kapitalkosten

Zuletzt müssen noch die Kapitalkosten bewertet werden. Hierbei vergleiche ich zwei Möglichkeiten. Zum einen die Kalkulation auf Basis des CAPM-Models, zum anderen unter Berücksichtigung operativer und finanzieller Hebel in Verbindung mit der entsprechenden Marktkorrelation sowie der Standardabweichung der Umsatzerlöse. Beide errechneten Werte, unter Beachtung des risikolosen Zinssatzes (10-jährige deutsche Staatsanleihe) von -0,30 Prozent, findest du in der nachstehenden Tabelle.

Berechnung Risikolos. Zins Fin. Hebel Op. Hebel Markkorr. Std.Abw UE Beta Marktrskprämie EK-Kosten
CAPM -0,30 % 1,36 0,053 6,92%
Fundamental -0,30 % 0.961 1.633 41.04% 0.0933 6,90 %

Der operative Hebel ist dabei als das Verhältnis (EBIT+Fixkosten)/EBIT definiert. Beim finanziellen Hebel ist dagegen die Relation EBIT/(EBIT-Finanzaufwand) entscheidend. Beide Berechnungsmethoden errechnen sehr ähnliche Werte. Somit sind die EK-Kosten mit 6,90 Prozent festgelegt. Dies erscheint generell eine sehr optimistische Annahme zu sein. Da allerdings der risikolose Zinssatz negativ ist, Rio Tinto über ausgesprochen starke Werte im operativen wie finanziellen Hebel verfügt, kann durchaus von einem solch niedrigen Level an Eigenkapitalkosten ausgegangen werden. Das generelle operative Risiko ist bei dem Bergbaukonzern aufgrund außerordentlich starker fundamentaler Kennzahlen (wie bspw. sehr niedrige Schuldenlast) als gering einzustufen. Die finalen Kapitalkosten des Unternehmens belaufen sich in weiterer Folge aufgrund geringer Nettofinanzlast auf 6,69 Prozent. Die Fremdkapitalkosten habe ich dabei anteilsmäßig auf die im Anhang angegeben Kreditverbindlichkeiten kalkuliert. Der Kostensatz beträgt dabei 3,18 Prozent.

Somit sind alle notwendigen Daten ermittelt, weshalb sich mithilfe der Diskontierung zukünftiger Free Cashflows sowie der kalkulierten ewigen Rente (Wachstum von 3,0 Prozent für das imaginäre Jahr 2028) der Eigenkapitalwert festlegen lässt. Dieser wird durch die Aktienanzahl geteilt, wodurch sich ein fairer Aktienwert von $135,77 ergibt. Bei einer berücksichtigten Margin of Safety von 20,0 Prozent, gilt auf Basis dieser Berechnung ein Einstiegskurs bei $108,62 als vernünftig.

2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028
Umsatzerlöse $68 665.15 $59 018.08 $53 682.16 $49 155.72 $44 492.49 $45 166.02 $46 627.30 $48 026.12
Umsatzwachstum 53.92% -14.05% -9.04% -8.43% -9.49% 1.51% 3.24% 3.00%
EBIT $36 414.53 $26 645.53 $21 667.85 $17 084.55 $12 180.06 $12 762.95 $13 581.15 $13 988.58
EBIT Marge 53.03% 45.15% 40.36% 34.76% 27.38% 28.26% 29.13% 29.13%
Finanzergebnis -$1 751.00 -$1 768.51 -$1 786.20 -$1 804.06 -$1 822.10 -$1 840.32 -$1 858.72 -$1 877.31
EBT $34 663.53 $24 877.02 $19 881.66 $15 280.49 $10 357.97 $10 922.63 $11 722.42 $12 111.27
Steuerquote 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00%
Anteile Dritter -$631.00 -$662.55 -$695.68 -$730.46 -$766.98 -$805.33 -$845.60 -$887.88
Periodenergebnis $24 895.47 $18 076.47 $14 612.84 $11 426.80 $8 017.56 $8 451.18 $9 051.30 $9 365.77
- Abschreibungen & Amort. $4 500.00 $4 725.00 $4 961.25 $5 209.31 $5 469.78 $5 743.27 $6 030.43 $6 331.95
- Sonstige Mittel $1 750.00 $2 275.50 $2 553.06 $2 877.87 $3 258.65 $3 705.81 $4 231.72 $4 443.31
- Investitionen -$6 750.00 -$7 222.50 -$7 728.08 -$8 269.04 -$8 847.87 -$9 467.22 -$10 129.93 -$10 839.02
+/- ∆ Working Capital -$4 076.87 $1 635.06 $904.37 $767.17 $790.36 -$114.15 -$247.67 -$237.08
Owner's Earning $20 318.60 $19 489.52 $15 303.44 $12 012.11 $8 688.48 $8 318.87 $8 935.85 $9 064.92
Diskontfaktor 1.069 1.143 1.222 1.306 1.396 1.492 1.595 1.705
Working Capital $11 637.87 $10 002.82 $9 098.45 $8 331.27 $7 540.91 $7 655.07 $7 902.74 $8 139.82
avg. % WC 16.95%
Ewige Rente $239 406.98
Barwert Rente $140 383.21
Eigenkapitalwert $220 885.68
Fairer Aktienwert $135.77
Margin of Safety 20% $108.62

Im Modell sind einige Annahmen getroffen, die ich noch nicht explizit erläutert habe. Beispielsweise bezieht sich der Betrag der Investitionen aus dem erwarteten Investitions-Cashflow des Unternehmens im kommenden Jahr. Im Laufe der Betrachtungsperioden gleichen sich in weiterer Folge die Abschreibungen den Investitionen an – damit wird ein Nullsummenspiel erzeugt. Die Veränderungen im Cashflow durch Volatilitäten im Working Capital bezieht sich auf die Kapitalintensität des Working Capitals zum Umsatz im Jahr 2020. Dieses halte ich konstant, weshalb bereits 2021 in Folge eines Umsatzsprunges auch das Working Capital ansteigt. Dadurch reduziert sich gleichermaßen der zu erhaltene Cashflow. Die EBIT-Marge verhält sich wie oben prognostiziert. Das Finanzergebnis entnehme ich dem Jahr 2020 und lass es konstant ansteigen. Auch wenn solch hohen Werte in Zukunft weniger wahrscheinlich zu erwarten sind, wollte ich hier nicht zu optimistisch kalkulieren. Ich habe hier also einen kleinen Puffer eingebaut. 

Dieses Szenario gilt es nun mittels der Übergewinn – Methode zu überprüfen.

Im Gegensatz zu vorhergehenden Darstellungen meiner Unternehmensbewertungen, möchte ich bei dieser Methode nicht mehr zu sehr ins Detail gehen. Ich lasse die aber gerne meine Kalkulation kostenfrei zukommen, solltest du etwaige Fragen haben oder Erläuterungen benötigen. Gerne kannst du mir auch einen Kommentar schreiben – dann kann ich dir den gewünschten Sachverhalt näher erklären.

Generell gilt, bei dieser Methode muss ergänzend zu den bereits gezeigten drei Kernindikatoren der Fundamentalanalyse noch das Nettobetriebsvermögen (NBV) bestimmt und zukünftig prognostiziert werden. Auch wird dabei dem Kapitalumschlag des Nettobetriebsvermögen eine besondere Bedeutung zuteil. Diese Zukunftsschätzung habe ich dir in der nachstehenden Tabelle aufgezeigt. Zusätzlich müssen bei dieser Methode die Kapitalkosten und nicht die EK-Kosten verwendet werden. Basierend auf der Relation EK zu Nettofinanzschulden (FK – Kosten von drei Prozent) ergeben sich Gesamtkosten wie bereits beschrieben von 6,69 Prozent. 

Da Rio Tinto in diesem Jahr aufgrund stark ansteigender Rohstoffpreise hohe Umsätze generiert, steigt folglich auch der Kapitalumschlag des Unternehmens um mehr als 85 Prozent. Von diesem hohen Wert ist jedoch in Zukunft nicht auszugehen. Daher nähert sich der prognostizierte Kapitalumschlag bis zum Jahr 2027 ungefähr auf den Wert aus 2019 an. Meines Erachtens ist das relativ konservativ geschätzt, da das Ziel eines jeden Unternehmens ja die Verbesserung der Produktivität sein sollte. Das operative Vermögen wie auch die operativen Schulden verhalten sich dementsprechend im Laufe des Prognosezeitraumes. 

Kosten-/Erlösfaktor 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027
Prognose Nettobetriebsvermögen $59 491 $58 991 $58 791 $57 791 $55 291 $56 291 $56 291
Prognose Kapitalumschlag 1.237 0.992 0.910 0.836 0.770 0.817 0.828
Prozentual 86.64% 99.95% 109.52% 117.57% 124.27% 124.63% 120.73%
Prognose operatives Vermögen $90 234 $91 234 $92 234 $92 234 $91 234 $94 234 $95 234
Prozentual 131.41% 154.59% 171.82% 187.64% 205.05% 208.64% 204.25%
Prognose operative Schulden $30 743 $32 243 $33 443 $34 443 $35 943 $37 943 $38 943
Prozentual 44.77% 54.63% 62.30% 70.07% 80.78% 84.01% 83.52%
2020 2019 2018 2017 2016
Nettobetriebvermögen in Abh. v. UE 124.39% 119.94% 127.98% 139.83% 164.20%
Operatives Vermögen in Abh. v. UE 191.06% 181.21% 191.79% 207.68% 234.62%
Operative Schulden in Abh. v. UE 66.67% 61.27% 63.81% 67.85% 70.42%

Da diese Kennzahlen nun feststehen, kann das Modell berechnet werden. Folgende Tabelle veranschaulicht das Bewertungsszenario – die Umsatzerlöse sind nicht erneut aufgegriffen, da sie exakt den Werten aus der Equity-Methode entsprechen.

2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028
Prognose Umsatzerlöse $68 665.15 $59 018.08 $53 682.16 $49 155.72 $44 492.49 $45 166.02 $46 627.30 $48 026.12
EBIT-Marge 53.03% 45.15% 40.36% 34.76% 27.38% 28.26% 29.13% 19.33%
Operatives Ergebnis v. St. $36 415 $26 646 $21 668 $17 085 $12 180 $12 763 $13 581 $13 989
Etragssteuern 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00% 30.00%
Assoziierte Unternehmen -$631 -$663 -$696 -$730 -$767 -$805 -$846 -$888
Operativer Gewinn $25 490 $18 652 $15 167 $11 959 $8 526 $8 934 $9 507 $9 792
Marge in % vom Umsatz 37.12% 31.60% 28.25% 24.33% 19.16% 19.78% 20.39% 20.39%
Rendite auf NBV 45.94% 31.35% 25.71% 20.34% 14.75% 16.16% 16.89% 17.40%
EBITDA $38 335 $33 082 $29 883 $27 212 $24 505 $24 873 $25 542 $26 308
Operatives Ergebnis $42 664.53 $18 652.50 $15 168.03 $11 959.63 $8 526.38 $8 934.42 $9 507.17 $9 792.38
Nettofinanzergebnis -1 225.70 -1 225.70 -1 225.70 -1 225.70 -1 225.70 -1 225.70 -1 225.70 135.30
Gesamterfolg $41 438.83 $17 426.80 $13 942.33 $10 733.93 $7 300.68 $7 708.72 $8 281.47 $9 927.68
Free Cashflow $21 490.17 $19 151.87 $15 367.50 $12 959.18 $11 026.04 $7 934.07 $9 506.80 $8 103.28
-10.88% -19.76% -15.67% -14.92% -28.04% 19.82% -47.19%
Übergewinne $21 780.25 $14 674.52 $11 223.57 $8 028.63 $4 662.35 $5 237.51 $5 743.39 $6 028.60
-32.62% -23.52% -28.47% -41.93% 12.34% 9.66% 4.97%
Diskontierungsfaktor 0.94 0.88 0.82 0.77 0.72 0.68 0.64
Langfristiges Wachstum 3.0%
BW ewige Übergewinne $103 982.96
Summe BW Übergewinne $59 325.53
Unternehmenswert $163 308.49
Nettoverschuldung -$4 534.00
Operatives NBV $55 491.00
Wert EK $214 265.49
Anzahl Aktien 1 626.88
Unternehmenswert $131.70
Margin of safety - 20 % $105.36

Es zeigt sich, der faire Wert der Aktie mit $131,70 (mit Margin of Safety: $105,36) ist diesem Modell zufolge ein wenig geringer ausgefallen. Die zukünftig zu erwartenden Renditen auf das NBV scheinen einen etwas geringeren Wert mittels dieser Methode zu bestimmen. Die angenommenen Annahmen verbunden mit den inkludierten Kapitalkosten und EBIT-Margen scheinen dabei allerdings keineswegs zu optimistisch geschätzt. Lediglich ein Anstieg der Zinsen würde zu einer Neubewertung und damit einem Abfall des fairen Wertes von Rio Tinto führen. Gleiches gilt auch für einen stärkeren Abfall der Rohstoffpreise – dies kann aber genauso in die andere Richtung verlaufen. Zusätzlich besteht noch weiterhin Potential, dass das Unternehmen weitere Investitionen in den Lithium Markt tätigt. In gleicher Weise könnte auch das geplante „Mega-Kupferprojekt“ in der Mongolei den erhofften Zusatzertrag liefern und somit den Barwert der ewigen Renten als zu niedrig erachten lassen. Dies sind allerdings alles offene Fragen, die nicht in das Bewertungsszenario eingeflossen sind.  

Die Entscheidung

Die letztliche Entscheidung, ob sich ein Investment in Rio Tinto lohnt oder nicht, hängt vom kalkulierten fairen Preis der Aktiengesellschaft im Zuge der Aktienanalysen ab. Der faire Wert des britisch-australischen Bergbauriesen liegt gemäß meiner beiden Analysen zwischen $131,70 – $135,77. Rio Tinto stellt dabei eine Aktiengesellschaft mit zu erwartender moderater Volatilität im Aktienkurs, gepaart mit einem sehr lukrativen und cash-generierendem Geschäftsmodell dar. Hohe Dividendenrenditen (auf Basis des aktuellen Kurses) von über fünf Prozent sind außerdem weiterhin zu erwarten. Ergänzend ist das Unternehmen finanziell außerordentlich stark aufgestellt. Daher habe ich die Margin of Safety mit 20,0 Prozent relativ niedrig festgelegt. Laut dieser Analyse lautet meine erste Einschätzung für das Unternehmen „BUY“ mit der Tendenz „BUY“, da bereits die Spanne der Margin of Safety ($105,36 – $108,62) vom aktuellen Kursniveau ca. $ 80,00 deutlich unterboten wird. Ganz zu Schweige vom kalkulierten fairen Aktienwert. Da das Unternehmen im Peer Group Vergleich zu den Konkurrenten zusätzlich als relativ günstig bewertet erscheint, erweist sich, dass in der Branche höhere Bewertungen möglich respektive üblich sind. Ich habe dir eine Zusammenfassung der Entscheidung noch einmal in der folgenden Tabelle dargelegt.

Bewertungsmodell Fairer Preis/Aktie Margin of Safety (20%) Einstufung Tendenz
Übergewinn-Methode $131.70 $105.36 "BUY" "BUY"
Equity-Methode $135.77 $108.62 "BUY" "BUY"

Die verwendeten Prozentzahlen in der Aktienanalyse von Rio Tinto sind in aller Kürze beschrieben und unterliegen einer detaillierten Analyse, auf welche ich aus Übersichtlichkeitsgründen nicht genauer eingehe. Gerne kannst du mir jederzeit Fragen schicken, worauf ich dir meine Analyse fundierter begründe.

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