Die „Markt-Strategie“ mit ETFs – So gelingt es dir, den Gesamtmarkt bestmöglich abzubilden

In einem vorherigen Artikel habe ich dir Gründe aufgezeigt, warum es sinnvoll ist in den Gesamtmarkt zu investieren. Zusätzlich habe ich bereits darauf verwiesen, dass ETFs ihre kongruenten aktiv gemanagten Investmentfonds geläufig in Sachen Renditen und Kosten outperformen. Daher möchte ich dir nun eine sinnvolle Möglichkeit demonstrieren, mittels ETFs den Gesamtmarkt und damit die Wirtschaft bestmöglich zu projizieren, eine sogenannte ETF-Marktstrategie.

MSCI All Country ETFs

Die simpelste Zauberlösung den Gesamtmarkt effektiv darzustellen offenbart sich in der Auswahl eines All-Country World Indexes. Hierfür existieren zahlreiche ETF-Auswahlalternativen , die sich hinsichtlich der enthaltenen Titel nur sehr geringfügig unterscheiden. Einen kurzen Vergleich möchte ich zwischen dem SPDR MSCI ACWI UCITS ETF (WKN: A1JJTC) und dem Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF 1C (A1W8SB) anführen. Bei beiden Indices handelt es sich um thesaurierende Fonds, die über eine gleich hohe jährliche Gesamtkostenquote von 0,40 Prozent verfügen. Sie öffnen das Tor zu großen und mittelgroßen Aktiengesellschaften aus 23 Industrie- und 26 Schwellenländern weltweit. Für die weitere Auswahl ist außerdem eine außerordentlich hohe Marktkapitalisierung ausschlaggebend.

Während die Fondswährung des ETFs aus dem Hause Xtrackers in EUR ausgewiesen ist, werden die Anteile des SPDR MSCI ACWI UCITS ETF in Dollar gehandelt. In Sachen Fondsgröße spielt der SPDR-ETF wiederum eine andere Liga. Dieser ist mehr als dreimal so groß wie sein Pendant. Beide ETFs weisen in ihren Sektorenaufteilungen den größten Schwerpunkt in der IT-Branche auf und ihre enthaltenen Finanztitel lokalisieren sich mit mehr als 55 Prozent überwiegend in den USA.

Die Top vier Vertreter beider All Country Indices definieren sich durch Apple, Microsoft, Amazon und Facebook. Es sind aber auch chinesische IT-Riesen wie Tencent oder Alibaba inkludiert. Da sich beide Indices in ihrer Zusammensetzung nicht grundlegend unterscheiden, entsprechen auch ihre Renditen in etwa den gleichen Beträgen. Da der Xtrackers Fonds allerdings in den letzten Jahren um etwa ein Prozent höhere Wertzuwächse generieren konnte sowie durch die gehandelte Devise (EUR) vor potenziellen Währungsschwankungen gesichert ist, gilt es prinzipiell diesen ETF seinem Pendant vorzuziehen.

MSCI World ETFs

Wenn du allerdings den Devisenmarkt für deine ETF Marktstrategie noch genauer abbilden beziehungsweise dein Depot auf weitere Teile des Globusses differenzieren möchtest, bietet sich alternativ die Auswahl mehrerer ETFs an. In diesem Fall liegt es auf der Hand, einen MSCI World ETF mit einem Emerging Markets Fonds zu kombinieren. Wahlweise eignet sich die Hinzunahme eines MSCI Europe Grundstockes, um letztendlich eine ausreichend große Bandbreite an Anteilsscheinen weltweit aktiver Aktienunternehmen zu besitzen. Auch hier möchte ich dir kurz und knapp die relevantesten ETFs dieser drei Kategorien vorstellen sowie meine entsprechende Empfehlung präsentieren.

Es ist mir ein Anliegen, für den MSCI World drei unterschiedliche ETF-Anbieter miteinander in Kontrast zu setzen. Der HSBC MSCI World UCITS ETF USD (A1C9KK) „strebt an, die Erträge des MSCI World Index so genau wie möglich nachzubilden. Der Fonds investiert in Aktien von im Index enthaltenen Unternehmen oder baut ein Engagement in diesen auf“. Dabei liegt der Schwerpunkt des Fonds auf US-amerikanischen (über 65 Prozent) Aktienunternehmen, die vor allem im Informationstechnologie-Sektor (mehr als 21 Prozent) tätig sind. Hierzu zählen wie auch schon beim ACWI Firmen wie Apple, Microsoft, Amazon oder Alphabet. Der ETF ist ausschüttend (vierteljährlich) und kostet per annum 0,15 Prozent des eingesetzten Gelbetrages. Der Fonds wird in US-Dollar gehandelt.

Ähnlich aufgebaut ist auch der iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) (WKN: A0RPWH). Im Gegensatz zum Vorherigen, handelt es sich hierbei um einen thesaurierenden ETF mit geringfügig höheren Kosten von 0,20 Prozent p.a. Auch der ETF aus dem Hause Blackrock legt seinen Schwerpunkt auf IT Unternehmen (mehr als 22 Prozent), wobei AGs aus den Vereinigten Staaten zu mehr als 66 Prozent vertreten sind. Die Top-gewichteten Titel sind Apple, Microsoft, Amazon und Facebook und die Fondswährung ist ebenfalls US-Dollar. Bis auf die durchaus unterschiedlichen Fondsvolumina (1,6 Mio. zu 21 Mio. beim Blackrock-ETF)  sowie gegensätzlicher Ausschüttungsphilosophien unterscheiden sich beide ETFs folglich vorerst kaum. Allerdings vertreten beide ETF-Anbieter bei niedriger gewichteten Titel durchaus unterschiedliche Ansätze, weshalb sich Renditeunterschiede ergeben.

Zuletzt der Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF – Acc (LYX0YD). Dieser noch relativ „junge“ ETF wurde 2018 aufgelegt und stellt mit 0,12 Prozent Gesamtkostenquote p.a. die kostengünstigste Alternative dar. Die höchst gewichteten Titel verlaufen analog zum Blackrock-Pendant. Allerdings sind „nur“ mehr als 64 Prozent der Gesamttitel auf US-amerikanische Firmen zurückzuführen. Der ETFs ist ebenfalls thesaurierend und wird in US-Dollar gehandelt.

Vergleicht man alle drei ETFs auf ihre einjährige Rendite, so übertrifft der HSBC-ETF seine beiden Vergleichsfonds überraschenderweise (trotz der relativ ähnlichen Zusammensetzungen) eindeutig. Während dieser einen positiven Wert von mehr als sechs Prozent erzielt, mussten sich die anderen beiden ETFs mit einem Bruttoüberschuss von etwas über vier Prozent begnügen. Auf Dreijahressicht wird der iShares-ETF vom HSBC ETF ebenfalls ausgestochen, wobei dieser mehr als drei Prozentpunkte mehr erwirtschaften konnte. Somit stellt der HSBC MSCI World UCITS ETF USD (A1C9KK) eindeutig den zu präferierenden MSCI World Fonds dar.

MSCI Emerging Markets ETFs

Um die bedeutendsten marktkapitalisierten Aktiengesellschaften aus den Schwellenländern abzudecken, eignen sich MSCI Emerging Marktes Indexfonds. Um Alternativen für die ETF Marktstrategie aufzeigen zu können, möchte ich ebenfalls auf drei Beispielfonds genauer eingehen, dem ComStage MSCI Emerging Markets UCITS ETF (WKN: ETF127), dem iShares MSCI EM UCITS ETF (Dist) (WKN: A0HGWC) sowie dem Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C (WKN: A12GVR).

Der Investment-Fonds aus dem Hause Xtrackers stellt dabei übergreifend den größten Exchange Traded Fund betreffend Fondsvolumina dar. Es ist ein thesaurierender, in US-Dollar gehandelter Index mit einer jährlichen Pauschalgebühr von 0,20 Prozent des eingesetzten Kapitals. Dabei sind circa 50 Prozent der darin enthaltenen Titel auf China und Taiwan zurückzuführen. Darauf folgen in absteigender Reihenfolge die Länder Südkorea (ungefähr zwölf Prozent), Indien (etwas mehr als acht Prozent) und Brasilien (knapp fünf Prozent). Die höchste Gewichtung kommt dabei den beiden Tech Giganten aus China, Alibaba Group Holding und Tencent Holdings zuteil. Weiters enthält der ETF Firmen wie JD.com oder Samsung Electronics. Damit liegt die Sektorenaufteilung des Investmentfonds mit beinahe 20 Prozent auf Nicht-Basiskonsumgüter. Knapp dahinter verteilen sich die enthaltenen Firmen auf das Finanzwesen (fast 18 Prozent) sowie die Informationstechnologie (gute 17 Prozent):

Mit einem jährlichen Kostenfaktor von lediglich 0,14 Prozent, stellt der ComStage MSCI Emerging Markets den preiswertesten der drei Vergleich-Indices dar. Dies ist auf seine Replikationsmethode zurückzuführen. So handelt es sich hierbei um einen synthetisches Derivat, also einen Swap. Hierbei existiert, wenn auch nur in geringfügiger Art und Weise ein sogenanntes Kontrahenten-Risiko. Im Gegensatz zur Xtrackers-Alternative, ist dieser jährlich ausschüttend und ebenso in US-Dollar gehandelt. Mit einem Fondsvolumen von 420 Millionen US-Dollar repräsentiert er dabei den kleinsten der drei Sparmöglichkeiten. Laut Factsheet beinhaltet auch dieser Fonds schwerpunktmäßig Unternehmen aus China, Taiwan, Südkorea, Indien und Brasilien. Die Verteilung ist jedoch ein wenig „china-lastiger“. Zu den Top-Komponenten zählen ebenfalls Alibaba und Tencent – Taiwan Semiconductor Manufacturing sowie Samsung Electronics sind dabei analog zum Xtrackers ETF die stärksten Vertreter aus Taiwan und Südkorea. Die Branchenallokation ist dabei laut Factsheet wie folgt gegeben:

Blackrock (iShares) verspricht analog dazu einen ausschüttenden ETF (jedoch quartalsweise), der in USD gehandelt wird und eine Gesamtkostenquote von 0,18 Prozent p.a. in Rechnung stellt. Die spezifische Aufteilung nach Sektoren ist sehr kongruent mit der jeweiligen des Xtrackers ETFs. Der Schwerpunkt ist dabei ebenfalls auf zyklische Konsumgüter gelegt. Die Verteilung der auf die einzelnen Sektoren ist dabei wie folgt:

Mit etwa 42 Prozent, verfügt der ETF über den vergleichsweise größten China-Anteil. Taiwan und Südkorea folgen mit mehr als 12 und 11 Prozent. Die größten vier Positionen bleiben dabei analog zu den beiden zuvor vorgestellten Indices gleich, und beinhalten Alibaba, Tencent, Taiwan Semiconductor Manufacturing und Samsung.

Ein kurzer Blick auf die Renditeentwicklung der drei Vergleichsindices der letzten Jahre offenbart erwartungsgemäß nur sehr geringe Diskrepanzen:

Im Verlauf der letzten drei Jahre konnten der ComStage- sowie der Xtrackers-Fonds höhere Renditen leisten. In der Fünfjahresbetrachtung schneidet das iShares-Derivat ebenfalls schwächer zum ComStage Grundstock ab:

Da der ComStage ETF allerdings kein „echter“, also kein physisch replizierter Fonds ist (geringere Sicherheit) und dazu noch das kleinste Fondsvolumina besitzt, bevorzuge ich ein Investment in den Xtrackers EM ETF.
Meine Empfehlungen für die drei dargestellten „ETF-Kategorien“ habe ich hier erneut zusammengefasst:  

Wenn du dein Portfolio auf einen MSCI World- und einen MSCI-EM Index aufsplitten möchtest, bietet sich ein Verhältnis von ungefähr vier zu eins an. Der Emerging Markets Index sollte dabei, aufgrund von höheren Volatilitätsgraden mit einhergehendem größeren Risiko, keine zu große Rolle in deinem Portfolio einnehmen. Mit dieser vorgeschlagenen Aufteilung sind den geringer kapitalisierten Schwellenländern gänzlich genüge getan. Zusätzlich deckt der Großteil deines Portfolios die weltweit am stärksten kapitalisierten Unternehmen ab.

Für die ETFs, die den europäischen Markt wiedergeben, habe ich einen eigenen Beitrag erstellt. Natürlich kannst du dein Depot auch mit spezifischeren Branchen-ETFs ergänzen. Hierzu findest du stets Blog-Beiträge, die diese Thematik spezifisch adressieren.  

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