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Morphosys | WKN: A2JJ5S

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Laut Geschäftsbericht definiert sich der Morphosys-Konzern als Unternehmen, das gemeinsam mit seinen Tochtergesellschaften „für Patienten mit Krebs und Autoimmunerkrankungen innovative Therapien erforscht, entwickelt und vermarktet.“ Der Schwerpunkt der Firma ist dabei auf Hämatologie-Onkologie sowie Autoimmunerkrankungen gelegt. Mittlerweile konzentriert sich die Geschäftstätigkeit ausschließlich auf die eigene Entwicklung von Wirkstoffen (Proprietary Development). Das umfasst „die Entwicklung therapeutischer Wirkstoffe auf Basis firmeneigener Technologieplattformen sowie auf Produktkandidaten, die von anderen Unternehmen einlizenziert wurden oder mit Partnern gemeinsam entwickelt werden. Im Laufe der klinischen Phasen wird im Einzelfall entschieden, ob und zu welchem Zeitpunkt eine Partnerschaft zur weiteren Entwicklung und Vermarktung angestrebt wird. Ein Medikamentenkandidat kann entweder komplett auslizenziert oder im Rahmen einer Kollaboration gemeinsam mit einem Partner (Co-Development) oder in Eigenregie weiterentwickelt werden.“ Erträge aus der mittlerweile nicht mehr fokussierten Geschäftstätigkeit „Partnered Discovery“, wie beispielsweise Tantieme, Meilensteinzahlungen oder Lizenzgebühren unterstützen die Geschäftstätigkeit der Planegger Firma weiterhin – zum strategischen Einsatz dieser Einkünfte aber nachher mehr.

Der letztendliche Wandel von einer zuvor reinen Forschungsorganisation hin zu einem voll integrierten biopharmazeutischen Unternehmen gelang im Jahr 2020. In diesem Jahr erhielt das Medikament Monjuvi (in Europa unter dem Namen Tafasitamab bekannt) die beschleunigte Zulassung der US-amerikanischen FDA. Seitdem werden auch größere Umsätze generiert. Während im Jahr 2020 bereits mehr als 300 MEUR an Roherträgen verbucht werden konnten, war im ersten Halbjahr ein starker Abfall zu vermerken. In 2020 entstanden dabei 18,5 Millionen Euro der Umsatzerlöse aus dem Produktverkauf von Monjuvi sowie 42,5 Millionen Euro aus Tantiemen für Tremfya. 255,8 Millionen Euro konnten durch Kollaborations- und Lizenzvereinbarung mit Incyte erzielt werden. Diese Lizenzvereinbarungen fielen im laufenden Jahr weg. Daher ergibt sich der Einbruch in den Roherträgen. Im ersten HJ 2021 konnte demnach ein Umsatz von 85,4 MEUR konstatiert werden. Produktverkäufe mit Monjuvi, die sich schwächer als erwartet entwickelt haben, steuerten 27,8 Millionen Euro bei. Erfolgsabhängige Zahlungen einschließlich Tantieme machten 50 Prozent respektive 43,1 Mio. € der gesamten Umsatzerlöse aus. Operativ meldet die Gesellschaft einen Halbjahresverlust von 101 Millionen Euro. Für den Umsatz stellt die Gesellschaft nach der jüngsten Prognosesenkung nun nur noch eine Summe zwischen 155 Millionen Euro und 180 Millionen Euro in Aussicht. Bisher belief sich die Prognose auf Beträge zwischen 150 bis 200 Millionen Euro. Dem folgte ein Kursrutsch der Aktie auf circa 45 €. In Folge der Bekanntgabe der Adjustierung er zu erwartenden Umsätze, häuften sich die negativen Berichterstattungen diverser Branchenexperten. Diese verwiesen ergänzend auf die Senkung der Bilanzposition „finanzielle Verbindlichkeiten aus Kollaborationen“. Diese gibt Aufschluss über die zukünftig Entwicklung des Vertriebs von Monjuvi. Die Bilanzposition offenbart den Anspruch des Kollaborationspartners Incyte gegenüber dem bayrischen Unternehmen im Zusammenhang auf zukünftige Gewinnbeteiligungen für die Verkäufe von Monjuvi® als Zweitlinien-Therapie bei DLBCL in den USA. Eigenen Angaben zufolge besteht hier eine Vereinbarung hinsichtlich einer 50:50 Verteilung. Die Senkung der Bilanzposition führt daher zu einer Reduktion der unternehmensinternen Erwartung der Absätze von Monjuvi. Das war dabei die einhergehende und insgeheim die wirklich schlechte Nachricht.

Der weitaus stärkere Abfall des Aktienkurses ereignete sich indes zu einem früheren Zeitpunkt des laufenden Jahres. Im Juni 2021 gab der Konzern die milliardenschwere Übernahme der amerikanischen Constellation Pharmaceuticals für 34 Dollar je Aktie bekannt. Das Gesamtpaket stellte dabei eine kolportierte Übernahme im Wert von circa 1,7 Milliarden US-Dollar dar. Ungleich viele Experten von einer sinnvollen Ergänzung der Produktpalette anhand der Epigenetik-Expertise von Constellation sprachen, führte die Höhe wie auch die Art der Finanzierung des Deals bei vielen Fachexperten zu Unbehagen. Zunächst zum neu erworbenen Unternehmen. Constellation Pharmaceuticals ist ein auf Epigenetik spezialisiertes Biotech-Unternehmen. Die Firma ist im klinischen Bereich tätig und zielt mit ihrer Entwicklung von Therapeutika auf den medizinischen Bedarf von Patienten diverser Krebsarten ab. Aktuelle hoffnungsvolle Produktkandidaten sind dabei Pelabresib (CPI-0610), ein BET-Inhibitor, und CPI-0209, ein EZH2-Inhibitor der zweiten Generation. Beide befinden sich in mittleren beziehungsweise späteren Phasen klinischer Studien. Hinzu kommen noch mehrere vorklinische Wirkstoffen. Pelabresib ist dabei in der letzten, der dritten klinischen Phase-3-Studie. Im Mittelpunkt steht dabei die Behandlung von Knochenmarkkrebs.

Nun zur eher kritischen Finanzierung des Deals. Hierzu machte Morphosys folgende Angaben bezüglich der strategischen Finanzierungspartnerschaft mit Royalty Pharma:

  • Vorabzahlung seitens Royalty Pharma in Höhe von 1,425 Milliarden US-Dollar an Morphosys. Die liquiden Mittel werden in weiterer Folge für die Übernahme von Constellation sowie in die Weiterentwicklung der gemeinsamen Pipeline verwendet.
  • Anleihen seitens Royalty Pharma zur Entwicklungsfinanzierung von Morphosys in Höhe von 350 Millionen US-Dollar. Diese kann der bayrische Konzern innerhalb eines Jahres in Anspruch nehmen.
  • Erhalt von Meilensteinzahlungen für Morphosys von bis zu 150 Millionen US-Dollar. Diese werden seitens Royalty Pharma geleistet, sobald verschiedene Meilensteine für die Produkte Otilimab, Gantenerumab oder Pelabresib erzielt werden.
  • Abtreten von Lizenzgebühren an Royalty Pharma. Diese beinhalten 100 Prozent der Nettoumsätze an Tremfya (in 2020 mehr als 40 Millionen Euro). Hinzu kommen 80 Prozent der kommenden Lizenzgebühren sowie sämtliche zukünftigen Meilensteinzahlungen für Otilimab. Zuletzt muss Morphosys noch auf 60 Prozent der anfallenden Lizenzgebühren für Gantenerumab und auf drei Prozent der zukünftigen Nettoumsätze der, in klinischen Studien befindlichen, Präparate von Constellation (Pelabresib und CPI-0209) verzichten.
  • Eigenkapitalbeteiligung von Royalty Pharma in Höhe von 100 Millionen US-Dollar. Das amerikanische Unternehmen erhält dabei Stammaktien zum Kurs von etwas mehr als 63 Euro an Morphosys. Die Kapitalerhöhung wurde dabei unter Ausschluss der Bezugsrechte der aktuellen Aktionäre durchgeführt.

Zusammenfassend, Morphosys erhält zwar einen beträchtlichen Betrag an liquiden Mittel. In gleicher Weise gibt der Konzern aber auch sichere, zukünftige Cash-Flows aus Tantiemen und Lizenzgebühren an die amerikanische Partnerfirma ab. Daher gilt es nun abzuwägen, inwiefern die aktuelle Produktpipeline, in Ergänzung mit den Zukäufen, Morphosys dennoch in Zukunft sichere und vor allem auch lukrative Cash-Flows versprechen kann.

Das Unternehmen gibt an, aktuell ein Produkt aus der eigenen klinischen Pipeline am Markt befindlich zu haben –Monjuvi. Dabei teilen sich Morphosys und Incyte die Vermarktungsrechte in den USA während außerhalb der USA die exklusiven Vermarktungsrechte ausschließlich bei der Incyte Corporation liegen. Hier erhielt das Blutkrebsmedikament in Europa die bedingte Zulassung – ein nächster Schritt für die Popularität des Medikaments, auch wenn Morphosys hier sehr wahrscheinlich nur wenige Einkünfte generieren kann. Mit dem Präparat liegen fünf weitere klinische Studien vor, wobei sich drei in der dritten Phase befinden. In 2020 wurde das Medikament Monjuvi von Morphosys/Incyte als erste zugelassene Therapie für rezidiviertes und refraktäres DLBCL in der Zweitlinienbehandlung zugelassen. Im Patientenkreis dieser Krankheit befinden sich vor allem mittel- bis ältere Personen, weshalb in den kommenden Jahren von einem weiteren Anstieg der Inzidenzen auszugehen ist. Waren in 2020 in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien etwas mehr als 70.000 Patienten betroffen, geht man von einer jährlichen Steigerung zwischen 10-15 Prozent bis 2030 aus. Morphosys und Incyte streben allein in den USA einen Spitzenumsatz mit Monjuvi in ​​Höhe von 500 bis 700 Millionen Dollar jährlich (alleine für die aktuelle Zweitlinienindikation für rezidiviertes/refraktäres DLBCL) an. Hierbei würde das deutsche Unternehmen die Hälfte der jährlichen Umsätze generieren.  Der zweite vielversprechende Portfoliobestandteil stellt Pelabresib (CPI-0610), ebenfalls in der dritten klinischen Phase befindlich, dar. Dieser Produktkandidat wurde mittels der Übernahme von Constellation ins Portfolio ergänzt. Es ist möglicherweise die einzige Therapie, die alle vier Kennzeichen der Myelofibrose bekämpft – Knochenmarkfibrose, Milzvolumen, Anämie und konstitutionelle Symptome. In den Vereinigten Staaten und Europa gibt es schätzungsweise 30.000 bis 35.000 Patienten mit Myelofibrose, die mit mittlerem oder hohem Risiko eingestuft sind. Nur etwa die Hälfte dieser Patienten erhält eine Ruxolitinib-Therapie, einen JAK-Inhibitor. Viele Patienten sprechen nur suboptimal darauf an. Es besteht also ein ungedeckter Bedarf an Therapien. Signifikante Umsatzbeiträge aus den beiden Kandidaten der amerikanischen Firma erhofft sich Morphosys ab 2026, wobei erste Umsätze für Pelabresib bereits in 2025 geplant sind.  Ich möchte noch auf einen weiteren Produktkandidaten eingehen: Felzartamab.  „Felzartamab (MOR202) ist ein gegen CD38 gerichteter humaner therapeutischer monoklonaler Antikörper, der auf der HuCAL-Antikörperbibliothek von MorphoSys basiert.“Es richtet sich gegen die Membranöse Nephropathie (zu der es aktuell noch keine Standardtherapie gibt), bei der jährlich in den USA circa 3000 neue Patienten registriert werden. Morphosys befindet sich aktuell in einer klinischen Phase 2a Studie. Ergänzend existiert aber auch eine sich in der klinischen Phase 2 und 3 befindlichen Studie. In deren Rahmen wird die Wirksamkeit der Therapie gegen das multiple Myelom eruiert. Für diese Blutkrebsart gibt es jährlich circa 35.000 Patienten. Die in der klinischen Phase 3 befindlichen Studie zielt dabei auf die Wirksamkeit und Sicherheit des Produktes in China und Taiwan ab. Bei Erfolg der Studie (voraussichtliches Ende Juli 2022) könnte dies zu einem Zulassungsantrag, einer Biological Licaence Application, für den Großraum China führen.  Zusammenfassend stellt Morphosys bei der aktuellen Bewertung von circa 1,3 Milliarden Euro definitiv eine interessante Investmentmöglichkeit dar. Es muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass die Übernahme von Constellation eine erhebliche Steigerung der Kosten nach sich zieht. Diese Fixkostensteigerung ist durch das vorhandene Cash laut den Geschäftsführern für die kommenden zweieinhalb Jahren gedeckt. Über weitere Finanzierungen sollte sich das bayrische Unternehmen also bereits Gedanken machen. Andererseits könnte die günstige Bewertung Morphosys zum Übernahmekandidat durch Incyte machen. In gleicher Weise erscheint das Produktportfolio des Unternehmens als durchaus vielversprechend (es gibt noch eine Vielzahl anderer Kandidaten, die mithilfe anderer Pharmaunternehmen entwickelt wurden). Mutige Anleger können bei einer mehrwöchigen Beruhigung des Abwärtstrend zwischen 35-38€ erste Positionen aufbauen. Risikoaverse Anleger sollten dagegen erstmals auf der Seitenlinie verweilen. Wie immer möchte ich euch keine Handlungsempfehlung geben – lediglich mit euch meine Einschätzung teilen.

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