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Nordex SE – Aktienanalyse

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Zuletzt aktualisiert am Juni 6, 2021

Die Klimaproblematik stellt eine nicht zu vernachlässigende Thematik dar. Mit dem neuen Klimaschutzgesetz plant die Bundesrepublik die Treibhausgasemissionen verbindlich bis 2030 um 55 Prozent zu verringern. Ebenso stehen erneuerbare Energien im Mittelpunkt der, vonseiten der EU veranlassten, Klimapolitik. Aus diesem Anlass wurde ich von der Mehrheit von euch gebeten, einen deutschen Big Player der Windkraftindustrie in einer umfassenden Aktienanalyse näher zu betrachten: Nordex SE. Aktuell schreibt die Firma noch rote Zahlen, das könnte sich aber aufgrund voller Auftragsbeständen und der zukünftigen Entwicklung im Energiesektor schon bald ändern. Grund genug, eine umfassende Aktienanalyse von Nordex SE durchzuführen und den aktuellen Aktienwert mit einem fair kalkulierten Preis in Vergleich zu setzen.

Qualitative Aktienanalyse der Nordex SE

1. Produkte & Märkte von Nordex

Die Nordex Group produziert, entwickelt und veräußert primär Onshore-Windenergieanlagen. Es handelt sich dabei folglich um das Geschäftsfeld „Windenergie“ an Land. Dabei erstreckt sich das Leistungsportfolio des Unternehmens über die Lieferung und Installation der Windenergieanlagen bis hin zur Errichtung eines gesamten Windparks. Die umfassende Betreuung der Windanlagen wird dabei durch ein ausgefeiltes Netz an Serviceanbietern stets gewährleistet. Im Produktportfolio finden sich dabei innovative, effiziente Windenergieanlagen für Stark-, Mittel- und Schwachwindstandorte – speziell dafür vorgesehen ist dabei die im letzten Jahr endgültig entwickelte Delta 4000 Baureihe in der 4-MW und 5-MW-Klasse.  

Der Konzern steuert seine Aktivitäten über die beiden Sektoren „Projekte“ und „Service“. Unter ersterem verstehen sich sämtliche Tätigkeiten im Rahmen der Entwicklung, Produktion, Errichtung und Inbetriebnahme der Windenergieanlagen. Unter „Service“ reihen sich primär Dienstleistungen und Produkte für bestehenden Installationen nachdem die Übergabe an den Kunden bereits vollzogen wurde. 

Die Nordex Group stellt einen der Pioniere innerhalb der Windenergiebranche dar. Ausgenommen des chinesischen Marktes belegte die Nordex SE im Jahre 2019 den vierten Platz im weltweiten Ranking der größten Windanlagenhersteller. Dabei konnten in den wichtigsten Märkten 2019 stets zweistellige Marktanteile erreicht werden. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Aktiengesellschaft um einen Spezialisten im Onshore-Windsegment.

2. Absatzmärkte und Wettbewerb

Windenergie verfügt über niedrige Stromentstehungskosten, die speziell in windreichen Regionen unter den Kosten neuer konventioneller Erzeugungsmöglichkeiten liegen. Zusammen mit der einhergehenden Klimafreundlichkeit von Windstrom, stellen diese beiden Bewegründe die Haupttreiber des starken Nachfragewachstums innerhalb der Windenergiebranche der letzten Jahre dar. Die Nordex Group verfügt bereits über Windanlagen-Installationen in mehr als 40 Ländern, wobei Vertriebs- und Serviceorganisationen in den wichtigsten Kernmärkten gegeben sind. Die geographische Allokation erstreckt sich dabei weitestgehend auf Europa sowie Nord – und Südamerika. Die Märkte in Indien, Australien und Südafrika wurden ergänzend ebenso aktiv angegangen und letztendlich auch erschlossen. Die wichtigsten Wettbewerber innerhalb der Branche verteilen sich wie folgt:

Trotz einiger Wettbewerber (aber nicht zu vieler) am Markt, sieht sich Nordex in einer sehr aussichtsreichen Position, seine Marktanteile mit den neuen Windanlangen der Delta 4000 – Serie weiter ausbauen zu können. Meiner Ansicht nach könnte dies durchaus gelingen, da Windenergieanlagen-Hersteller auf eine breite Fachexpertise zurückgreifen können, mit der sie potenziellen Neueinsteigern eindeutig überlegen sind. Um generell erst einmal in den Markt preschen zu können, liegen folglich sehr hohe Markteintrittsbarrieren vor. Bei einem zunehmend wachsenden Marktumfeld, siehe Abschnitt 3, springen dadurch höhere Auftragsvolumina für die vorhandenen, konkurrierenden Unternehmen heraus. Der Markt ist also umkämpft, jedoch nicht gesättigt, wobei sich die Firmen eher darum anstrengen müssen, ihre vollen Auftragsbestände erfüllen zu können, anstelle sich gegenseitig zu disruptieren.  

3. Potenzielles Marktwachstum

Betrachtend aller Energieträger, die in Europa zur Stromerzeugung eingesetzt werden, stellt die Windkraft den am stärksten gewachsenen im letzten Jahrzehnt dar. In dieser Periode gelang es ihr, die größte Kraftwerksleistung ans Netz zu bringen und folglich sogar die Atom- und Kohlekraft einzuholen. Auf Basis dieser entscheidenden Entwicklung ist die Windenergie mitunter mittlerweile zur größten Kraftwerksleistung im europäischen Raum transformiert.

Die IG Windkraft schriebt:

„Schon seit über einem Jahrzehnt leistet Europa Pionierarbeit für die Nutzung der Windkraft und ist neben Asien und Amerika eine wichtige Region auf der Windweltkarte. Insgesamt drehten sich Ende
2019 in der Europäischen Union Windräder mit einer Gesamtleistung von 192.231 MW. Die gesamte installierte Windkraftleistung konnte im Jahr 2019 bis zu 15 Prozent des Stromverbrauchs in der EU decken. In einzelnen EU-Staaten ist der Windstromanteil bereits deutlich höher. So sind es in Dänemark 48 Prozent, in Irland 33 Prozent, in Portugal 27 Prozent und in Großbritannien 22 Prozent“.

Bis 2030 soll die EU ihre Emissionen um 50 bzw. 55 Prozent senken – bis 2050 steht sogar das Ziel Klimaneutralität im Raum. Auf Grundlage des abgeschlossenen Green Deals folgen demnach tiefgehende Investitionen in erneuerbare Energien, sowohl in deren Ausbau als auch Erforschung. Dabei nimmt die Windenergie eine immer wichtigere Rolle ein. Im europäischen Raum wurden bereits im Jahr 2019 laut dem Bundesverband für Windenergie 15,4 GW Windenergie neu installiert, darunter primär in Großbritannien, Spanien und Deutschland. Insgesamt waren damit mehr als 200 GW an Windkraftanlage in Europa installiert.

Die Entwicklung inklusive einer berechneten Prognose (Fortführung des durchschnittlichen Wachstums der letzten sieben Jahre (9,34 Prozent)) habe ich im Folgenden dargestellt:

Es zeigen sich also recht hohe einstellige bis niedrige zweistellige Wachstumsraten. Die zukünftig prognostizierte Wachstumsrate von 9,34 Prozent ist dabei meiner Meinung noch relativ gering gehalten. Neu geschaffene Subventionsprogramme im Rahmen des Green Deals dürften das bisher schon relativ starke Wachstum noch weiter fördern. Die Windkraftanlagenindustrie steht daher einem zunehmenden wachsenden Markt gegenüber.

Die Grundlagen für Nordex, einen zunehmenden wachsenden Energiemarkt anzutreffen und möglicherweise auszunützen scheint folglich gegeben. Das Produktportfolio scheint dafür gut ausgerüstet – vor allem mit der Konzeption der neuen Delta 4000 Serie. Die Auftragsbestände füllen und füllen sich, doch rentabel ist Nordex noch nicht. Daher gilt es in der Folge zu analysieren, wie sich die Aktiengesellschaft finanziell aufstellt. Auch ob sich ein mögliches Aktieninvestment basierend auf den aktuellen Zahlen aufdrängt.

Quantitative Aktienanalyse der Nordex SE

1. Wichtige finanzielle Kennzahlen

a. Ertrags- & Rentabilitätskennzahlen

Da Nordex bisher noch defizitär, oder besser gesagt, wieder defizitär wirtschaftet, schauen diese KPIs nicht sehr rosig aus. Einzig allein die Entwicklung der negativ ausgewiesenen Rentabilitätskennzahlen lässt Besserung im Vergleich zum Jahr 2018 vermuten. Der Kapitalumschlag ist ebenso wieder am Steigen. Dadurch weist Nordex in Relation zu 2018 mit Ausnahme der Umsatzverdienstrate bessere Kennzahlen auf. Bessere Margen der neuen Delta 4000 Serie sollen wieder positive EBITDA und EBIT – Margen bringen. Erst vor kurzen wurde das Ziel einer positiven EBITDA-Marge von acht Prozent im Jahre 2022 proklamiert. Gelingt dieser Turnaround und Nordex wird profitabel mit zunehmender Margenverbesserung, werden sich die entsprechenden Kennzahlen definitiv besser lesen lassen.

b. Kennzahlen der finanziellen Stabilität

Die Zahlen der finanziellen Stabilität rücken dabei bei Nordex näher ans Licht. Die EK – Quote liegt mit unter 20 Prozent unter dem wünschenswerten Betrag von 30 Prozent bei einem noch verlustreichen Geschäftsmodell. Die Cash-Burn Rate zeigt allerdings, dass bei gegebenen Jahresverlust, noch für weitere zehn Jahre das EK nicht negativ werden würde. Aspekte der Insolvenz regelt dabei aber der Grad der Liquidität, der bei den nächsten Kennzahlen näher analysiert wird. Die Q2 –  und Q3 – Berichte des aktuellen Jahres zeigen allerdings ein schnelleres Schrumpfen des EK (nach Q3 auf 13,6 Prozent) als es das Jahr 2019 vermuten lässt. Ergänzende Covid-19 bedingte Belastungen führen zu Zusatzkosten von mehreren hundert Millionen Euro, welche mit dem Verkauf der Windparkprojekte an RWE lediglich ausgeglichen wurden.

Dadurch resultiert bereits im Q3 2020 ein Konzernverlust von mehr als 100 Mio. Euro. Das Gearing und die Kennzahl Nettoverschuldung/EBITDA zeigen dagegen, dass in Sachen Schulden Nordex noch recht gut aufgestellt ist. Hier ist gerade in Punto Liquidität noch einiges an Spielraum, bevor man sich ernste Sorgen machen müsste. Der Goodwill-Anteil dagegen ist mit über 70 Prozent zu hoch und birgt ebenso Gefahren für das EK.  

c. Working Capital – Management

Im Rahmen des WC-Managements lege ich vermehrt mein Augenmerk auf die drei ausgewiesenen Liquidationsgrade. Dabei spielt der dritte Grad meines Erachtens die größte Rolle. Dieser beträgt über 100 Prozent, jedoch wäre ein ausgewiesener Betrag zwischen 120 – 150 Prozent wünschenswert. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind dennoch durch die kurzfristigen Vermögen gedeckelt, viel Spielraum bleibt jedoch nicht. Die Quick Ratio fällt ein wenig zu gering aus, während die Cash Ratio (Liq.Grad 1) eine nahezu perfekte Größe aufweist. Somit ist im Unternehmen nicht zu viel Cash gehalten.
Auftragsreichweite und die Back-to-Bill Ratio offenbaren, ich welchem Wachstumsmarkt sich Nordex befindet. Beide Werte demonstrieren, dass weitere Umsatzzuwächse zu erwarten sind. Trotz hoher Installationsleistungen im Jahr 2020 beträgt der aufgezeigte Auftragsbestand im Q3 Report stets noch knapp 8 Mrd. Euro. Während die Projektzuwächse ein wenig einbüßen mussten, setzt sich das Service-Auftragswachstum konstant fort.

d. Ausschüttungskennzahlen

Nordex hat bislang noch keinerlei Ausschüttungen getätigt, weshalb hier diese Werte daher zu vernachlässigen sind.

e. Bewertungskennzahlen

Auch bei den Unternehmensbewertungskennzahlen ist aufgrund des defizitären Geschäfts nicht jede Kennzahl hilfreich. Dennoch wurden die Kennzahlen für 2019 zum Kursniveau von ca. 17,00€ kalkuliert. Betrachtend des KPIs, zeigt sich das Nordex bislang sowohl in KUV als auch beim KBV im Vergleich zu den oben aufgezeigten Konkurrenten eher als „unterbewertet“ erscheint. Nur Siemens Gamesa weist ein niedrigeres KBV aus. Es zeigt sich also, sobald das Unternehmen seine Rentabilität steigert, liegt hier aktuell laut den Kennzahlen innerhalb der Branche eine leichte Unterbewertung vor.

f. Zusammenfassung der Kennzahlen

Zusammenfassend ist für Nordex der Sprung in den profitablen Bereich innerhalb der nächsten Perioden essentiell. Sollte dies trotz zunehmend steigenden Umsätzen weiterhin nicht gelingen, muss die Frage der Sinnhaftigkeit gestellt werden. Ein erster Schritt um die Marge zu verbessern scheint mit einer geringeren Personalaufwandsquote (veröffentlicht im Q3 Bericht) und besseren Margen mit der neuen Baureihe gemacht. Der in Q3 publizierte Verlust wäre dabei allerdings ohne den in den sonstigen Erträgen ausgewiesenen Spezialverkauf noch deutlich höher ausgefallen. Es zeigt sich also, Nordex muss noch einiges in die Wege leiten, um finanziell die selbst aufgestellten Prognosen für die kommenden Geschäftsjahre zu erfüllen. Alles weitere wird in der folgenden Aktienanalyse der Nordex SE weiterhin durchleuchtet.

2. Unternehmensbewertung

a. Equity Methode

Die Umsatzerlöse der Nordex SE wurden basierend auf einer hohen Korrelation des Umsatzwachstums der Aktiengesellschaft mit den Zahlen der Neuerrichtungen von Windenergieanlagen in Europa erstellt. Die Korrelation belief sich dabei für die Jahre 2017 – 2019 auf einen Wert P = 0,7202. Stützend auf der Gewichtung beider Wachstumsraten (Wachstum Nordex/Neuerrichtungen Windanlagen; im Schnitt der letzten beiden Jahren liegt das Verhältnis bei 1,19), können die Gesamteinnahmen des Unternehmens kalkuliert und vorhergesagt werden:

Ab dem Jahre 2026 wird von einem ewigen Wachstum von drei Prozent ausgegangen. Dadurch können die Umsätze in den Folgejahren annäherungsweise geschätzt werden (ab 2021 wird der Durchschnittswert des Anlagenwachstums der letzten Jahre herangezogen, da die zugrunde liegenden Information leider nicht verfügbar sind). Realistischerweise, im Rahmen des Green Deals kann hier alternativ von höheren Raten ausgegangen werden.

Die zu verwendete EBIT-Marge bezieht ihr Fundament aus dem Jahr 2019, als sie im negativen Bereich lag. Im Laufe der Jahre wird die EBIT-Marge auf 7,63 Prozent kontinuierlich erhöht (Jahr 2026). Dies ist auf die Prognosen der Verantwortlichen des Unternehmens begründet, die bis 2022 eine EBITDA – Marge von 8 Prozentpunkten anvisieren. Im Anbetracht der Material – , der Personal- und sonstigen Aufwände sowie der Belastungen aus Abschreibungen und Amortisation der letzten Jahre, erscheint diese zukünftige EBIT-Marge als durchaus realistisch. Hierfür dürfen die absoluten Werte der sonstigen Aufwände sowie der Abschreibungen nicht prozentual mit dem Umsatz mitwachsen. Dies war aber auch in den Vorjahren nicht der Fall. Aus meiner Sicht wird sich daher die Kapitalintensität zum Umsatz der relativ konstanten Abschreibungen sowie der sonstigen Aufwände zunehmend verringern. Einen prognostizierten Verlauf der prozentualen Änderungen, und damit der direkte Einfluss der einzelnen Kosten- aber auch Einnahmefaktoren auf die EBIT-Marge ist hier dargestellt:

Bei der Berechnung der Kapitalintensität des Materialaufwandes sind die Bestandsveränderungen aus vereinfachten Gründen inkludiert. Hier muss in Zukunft genau betrachtet werden, wie sich die Kapitalintensität entwickelt. Im Q3 Bericht bspw. ist diese auf über 88 Prozent gestiegen. Ohne einmalige sonstige Erträge von mehr als 300 MEUR wäre damit das EBITDA stark negativ ausgefallen. Das Management berichtet dabei allerdings von Covid-19 Zusatzbelastungen, die diesem Ertrag mehr oder weniger gegenüberstehen.

Die anteiligen Material- und Personalkosten werden dabei relativ konstant gehalten. Der absolute Betrag des sonstigen Aufwands ist in den letzten Jahren sehr konstant verlaufen, trotz Umsatzsteigerungen. Davon ist auch in Zukunft auszugehen, daher sinkt hier die prognostizierte prozentuale Margenbelastung um mehr als sechs Prozent. Summa Summarum ergibt sich bis 2026 ein Margenaufschlag von 9,82 Prozent. Diesen Wert gilt es zur EBIT-Marge aus dem Jahr 2019 zu addieren, wodurch eine „finale“ Marge von 7,63 Prozent resultiert. Der Prozentsatz wird im Laufe der Prognosejahre schrittweise angenähert. Grundlage der steigenden Marge ist dabei das vom Management publizierte EBITDA – Ziel von acht Prozent im Jahr 2020. Hier wurde in der Prognose ein Spielraum von mehr als einem Prozent veranschlagt, damit auch nicht erreichte Ziele Berücksichtigung finden.

Das Finanzergebnis beläuft sich auf das Netto-Finanzergebnis des vergangenen Jahres und beträgt ca. -68 MEUR. Die Steuerquote wird auf den vorgegebenem Satz von 31,82 Prozent gesetzt. Mögliche Verlustvorträge werden sicherheitshalber nicht einbezogen. Somit ergibt sich das jeweilige Periodenergebnis der zukünftigen Jahre. In weiterer Folge müssen die Abschreibungen/Amortisationen hinzugerechnet, sowie zukünftige Investitionen subtrahiert werden. Zum Ende der Prognoseperiode sollten sich Abschreibungen und Investitionen mehr oder weniger aufheben. Die WC-Veränderungen resultieren aus einem fest gesetzten Verhältnis zum Umsatz, das in den letzten Jahren ungefähr fünf Prozent betrug. Den Diskontfaktor stellen die Eigenkapitalkosten dar. Diese ergeben sich aus den dargestellten Zusammenhängen:

Ein Risikoaufschlag von 1,74 lässt EK-Kosten von mindestens zehn Prozent annehmen. Dieser recht hohe Aufschlag resultiert primär aus negativen operativen und finanziellen Hebeln. Die hohen Fixkosten in Relation zum EBIT lassen das operative Risiko von Nordex SE ansteigen. Von den 10,5 Prozent wird in weiterer Folge der risikolose Zinssatz einer 10-Jähirgen Staatsanleihe summiert, der mit -0,65 Prozent festgelegt ist. Dadurch ergeben sich EK-Kosten von 9,85 Prozent.

Somit sind alle notwendigen Daten ermittelt, weshalb sich mithilfe der Diskontierung zukünftiger Free Cashflows sowie der kalkulierten ewigen Rente (Wachstum von 3,0 Prozent für das imaginäre Jahr 2028) der Eigenkapitalwert festlegen lässt. Dieser wird durch die Aktienanzahl (106,28 Millionen) geteilt, wodurch sich ein fairer Aktienwert von 21,19€ ergibt. Bei einer berücksichtigten Margin of Safety von 27,5 Prozent, gilt auf Basis dieser Berechnung ein Einstiegskurs bei 15,36€ als vernünftig. Dies gilt es nun mittels der Übergewinn – Methode zu überprüfen.

b. Übergewinn Methode

Nachdem das operative Nettobetriebsvermögen bestimmt wurde, gilt es die Gewinne/Verlust wie auch das Nettofinanzergebnis in nachhaltige und temporäre Beträge zu trennen.

Die temporären Einkünfte/Ausgaben sind den sonstigen Aufwänden zuzuschreiben wie beispielsweise Verluste aus Währungsumrechnungen. In weiterer Folge können die für die Berechnung der Übergewinne relevanten Wertreiber bestimmt werden:

Dabei zeigt sich eine wie zu erwartende negative Rendite auf das Nettobetriebsvermögen. Zieht man allerdings die kalkulierte nachhaltige Rendite in Betracht, so erkennt man, dass diese bereits von positiver Natur ist. Abzüglich der temporären Verluste, also Kosten, die eigentlich nicht jedes Jahr anfallen sollten, liegt also eine positive Gewinnmarge vor. Die hohe Kapitalumschlagshäufigkeit, also die sehr hochgradige Effizienz vonseiten des Unternehmens beschriebt dessen Kompetenz, aus geringem Nettobetriebsvermögen einen hohen Umsatz zu generieren. Diese hohe Effizienz gilt es in weiterer Folge in Zukunft beizubehalten.

In Folge kann betrachtet werden, welche Treiber das Nettobetriebsvermögen in den letzten Jahren bestimmten:

Es ist zu erkennen, dass die jeweiligen Kapitalintensitäten der Vorräte sowie der Sachanlagen weitestgehend zu einem prozentualen Anstieg der operativen Vermögenswerte im Vergleich zum Gesamterlös führten. Den sonst anfallenden starken Anstieg des NBV wirkt die Erhöhung der operativen Schulden entgegen, also zinslosen „Krediten“.

Weiteres gilt es die operative Gewinnmarge und ihre zugrundeliegenden Treiber zu analysieren:

Gerade die Materialkosten treten hierbei als „radikaler“ Margenbrecher auf (vor allem im Jahr 2019). Diese müssen in Zukunft in Griff bekommen werden. Personal- oder sonstige Kosten können dagegen in ihrem Verhältnis zum Umsatz in etwa gleich oder geringer gehalten werden. Die Bestandveränderungen gilt es hier nicht in Betracht zu ziehen. Die Verbesserung der nachhaltigen Gewinnmarge zum Vorjahr ist dabei auf diesen Faktor basierend. Die Prognose der Umsatzerlöse erfolgte wie bereits beim Equity-Verfahren beschrieben. Die Grundlage hierfür bietet das Wachstum der letzten Jahre. Dadurch ergeben sich folgende organische Umsätze aus den letzten Jahren:

Ergänzend gilt es das operative Nettobetriebsvermögen zu prognostizieren. Hier bietet sich die Kapitalintensität auf die Umsätze der letzten Jahre als geeigneten Referenzwert an. Für das operative Vermögen sowie die analogen operativen Schulden wird dabei in etwa das arithmetische Mittel der letzten beiden Jahre angewendet:

Als eine Art „Puffer“ wird das NBV auf eine höhere Kapitalintensität als im Durchschnitt der beiden letzten Jahren angesiedelt. Zu diesem Ziel werden die operativen Vermögenswerte mit dem analogen Wert von 2019 fortgeführt, während die operativen Schulden ein wenig an Prozentpunkten abnehmen. Es ist ebenso zu erwarten, dass der hohe Kapitalumschlag nicht aufrecht zu erhalten ist. Während für 2020 noch ein Anstieg zu prognostizieren ist, nimmt dieser peu-à-peu im Laufe der Jahre ab, bis ein immer noch hervorragender Wert von knapp über drei resultiert. Die Reduktion des Umschlagwertes dient ebenso dem Prinzip einer nicht zu optimistischen Prognose.

Die operative Gewinnmarge wird basierend auf den vergangenen maßgeblichen Margentreibern u.a. Materialaufwand, Personalaufwand, sonst. Aufwand, Ertragssteuern, Abschreibungen etc. prognostiziert. Für die Zukunft wird dabei von einer nachhaltigen operativen Gewinnmarge vor Steuern von 7,63 Prozent ausgegangen. Ausgehend vom Wert aus dem Jahre 2019, liegt diese mehr als 7,5 Prozent darüber (vgl. auch Equity – Methode) . Zur Kalkulation der „ewigen Gewinnmarge“, nähern sich die entsprechenden Wertreiber im Laufe der zukünftigen Jahre dem Endbetrag näherungsweise an.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Bestandsveränderungen und sonstige Erträge dabei in den Materialaufwänden enthalten sind und daher die Kapitalintensität entsprechend drücken. Der prognostizierten EBITDA-Marge von 8 Prozent im Jahr 2022 (vonseiten des Managements zum Q3-Bericht) wird mit dieser Hochrechnung ein Puffer von mehr als 1,3 Prozent gesetzt. Dabei ist davon auszugehen, dass die sonstigen Aufwände (hier sind auch immer temporäre Verluste dabei gewesen) in ihrer Kapitalintensität abnehmen. Gleiches gilt für die anderen Positionen, allerdings geringfügiger. Die Abnahme auf Seiten des Materialaufwandes ist durch die Entwicklung der Delta 4000er Reihe gestützt, die bessere Margen zur Folge haben soll.

Somit sind alle notwendigen Indikatoren bestimmt. Letztlich sind noch die Kapitalkosten zu ergänzen. Die gewichteten Kapitalkosten setzen sich aus den gegebenen Fremdkapitalkosten und den, bereits in der Equity – Methode definierten, EK-Kosten zusammen. Der Prozentsatz für die FK-Kosten kann aus dem Geschäftsbericht 2019 entnommen werden und wird mit 3,5 Prozent nicht zu niedrig angesetzt. Somit ergeben sich im Anbetracht der gewichteten Verrechnung mit den EK-Kosten in Höhe von 9,85 Prozent Gesamtkapitalkosten von summa summarum 8,61 Prozent.

Gemäß der Übergewinn-Methode beträgt der faire Wert der Nordex SE 20,96€ je Anteilsschein. Die Margin of Safety bei 15,19€ gilt es dabei als möglichen Einstiegskurs zu betrachten. Bei der Kalkulation ist zunächst von einem negativen nachhaltigen operativen Ergebnis in 2020 auszugehen. Operativ wird die Gesellschaft dann erst in 2021 profitabel. Aus Sicherheitsgründen, nicht zu optimistisch zu kalkulieren, ist dies definitiv von Nöten. Nichtsdestotrotz muss es Nordex zunächst gelingen in die schwarzen Zahlen zu rutschen, damit die Prognose zutreffen kann.

3. Entscheidung der Nordex – Aktienanalayse

Die letztliche Entscheidung, ob sich ein Investment in die Nordex SE lohnt oder nicht, hängt vom kalkulierten fairen Preis der Aktiengesellschaft im Zuge der Aktienanalyse ab. Der faire Wert des deutschen Windanlagenbauers liegt gemäß meiner beiden Analysen zwischen 20,96€ – 21,19€. Nordex stellt dabei eine Aktiengesellschaft mit einer zu erwartenden hohen Volatilität, gepaart mit einem sehr wachstumsbestrebten und dennoch erfolgsversprechenden Geschäftsmodell dar. Daher habe ich die Margin of Safety mit 27,5 Prozent relativ hoch festgelegt. Laut dieser Analyse lautet meine Einschätzung für das Unternehmen „HOLD“, da die Spanne der Margin of Safety (15,19€ – 15,36€) nicht vom aktuellen Kursniveau ca. 18,00€ unterboten wird. Dabei ist festzuhalten, dass in der Prognose etwaiger Puffer hinsichtlich der von Unternehmen ausgegebenen Ziele eingebaut wurden. Auch sind etwaige Verlustvorträge, die die Steuerlast senken dürften nicht berücksichtigt.

Nichtsdestotrotz bleibt diese Aktiengesellschaft ein risikoreiches Investment, da es der Firma zunächst wieder gelingen muss, schwarze Zahlen zu schreiben und damit den Turnaround zu schaffen. Sollte dies passieren, und sollten auch die firmeneigenen Ziele erreicht werden, ist diese Prognose als zu pessimistisch anzusehen. Risikoreichere Investoren können daher erste Positionen aufbauen und den weiteren Verlauf der Aktie verfolgen.  

MethodeFairer Preis/AktieMargin of SafetyEinstufungTendenz
Übergewinn-
Methode
20,96€15,19€HOLD„HOLD“
Equity-
Methode
21,19€15,36€HOLD„HOLD“

Die verwendeten Prozentzahlen in der Aktienanalyse der Nordex SE sind in aller Kürze beschrieben und unterliegen einer detaillierten Analyse, auf welche ich aus Übersichtlichkeitsgründen nicht genauer eingehe. Gerne kannst du mir jederzeit Fragen schicken, worauf ich dir meine Analyse fundierter begründe.

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