Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

S&T AG – Aktienanalyse

0

Zuletzt aktualisiert am Juni 6, 2021

Ich wurde von euch gebeten, aus aktuellem Anlass aufgrund der negativen Berichterstattung seitens der britischen Analystenfirma „The Analyst“, eine Aktienanalyse des unter Druck geratenen IT-Unternehmens S&T AG durchzuführen. Leerverkäufer wie Adelphi Capital haben bereits ihre Netto-Leerverkaufspositionen erhöht und der Aktienkurs musste in letzter Zeit kräftig einbüßen. Grund genug, sich die Fundamentaldaten sowie Zukunftschancen der Aktiengesellschaft näher vor Augen zu führen. Schließlich wurde das Geschäftsmodell grundlegend infrage gestellt sowie als “margenschwaches IT-Services Geschäft” bezeichnet. In Folge der Aktienanalyse der S&T AG zeigt sich, ob sich diese Diskreditierungen mitunter bewahrheiten, oder ob sich alles als Lug und Trug herausstellt. 

Aktienanalyse S&T AG – Qualitative Analyse

1. Produkte & Märkte der S&T AG

S&T beschreibt sich selber als einen „multinationalen Technologiekonzern und führenden Partner für IOT- und Industrie 4.0 Lösungen. Das österreichische Unternehmen ist dabei in 32 Ländern weltweit aktiv und beschäftige mit Ende 2019 ca. 4.900 Mitarbeiter. Das Geschäft lässt sich dabei in drei Bereiche untergliedern:

„IT Services“:
Dieses Segment beinhaltet sämtliche Aktivitäten des IT-Dienstleistungsgeschäfts der DACH-Region sowie Zentral- und Osteuropa gebündelt. Dabei sind die ehemaligen Segmente „Services DACH“ und „Services EE“ inkludiert.

„IoT Solutions Europe“:
Dieses Segment konzentriert sich auf die Entwicklung sicherer und vernetzter Lösungen durch ein kombiniertes Portfolio aus Hardware, Middleware & Service in den Bereichen Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0. Das seit Beginn des Geschäftsjahres 2019 als „IoT Solutions Europe“ geführte Segment richtet sich auf die Märkte Asien und Europa. Dabei sind die ehemaligen Segmente „Appliances Security“ und „Appliances Smart Energy“ sowie Teile der Kontron Gruppe enthalten.

IoT Solutions America“:
Dieses Segment beinhaltet die Geschäftstätigkeit des ehemaligen Segments „Embedded Systems“ und wurde ebenfalls Anfang 2019 aufgrund des adaptierten Produktportfolios und des stetig anwachsenden Software-Anteils in „IoT Solutions America“ ohne Änderungen der zugeordneten Tochterunternehmen umbenannt. Es beinhaltet im Wesentlichen die Tätigkeiten der Kontron Gruppe in Nordamerika.

Zusammengefasst reicht das Leistungsspektrum der S&T Gruppe daher von der Entwicklung, Implementierung und Vermarktung von Hard- und Software-Lösungen & IT-Dienstleistungen (Segment „IT-Services“), über selbst entwickelte Hard- und Softwareprodukte für IoT- und Industrie 4.0-Anwendungen (Segment „IoT Solutions Europe“) bis zu der Entwicklung von Embedded-Hardware- und Softwareproduktion sowie damit verbundene Dienstleistungen (Segment „IoT Solutions America“). S&T möchte sich selbst in Form eines technologieführenden Konzerns positionieren. Hierfür wurde ein breites Leistungsportfolio erstellt, das unterschiedliche Kundensegmente anspricht.

Als „Full-Service-Provider“ von IT-Lösungen unterstützt S&T ihre Kunden bei der Realisierung, Entwicklung und dem Betrieb von IT-Projekten in Zentral- und Osteuropa. Das zugrundeliegende Prinzip wird seitens S&T „Plan-Build-Run“ bezeichnet und umfasst diverse Leistungen:

  • Consulting
    • Beratung & Unterstützung auch im Cloud-basierten Rechenzentrumsumfeld
    • Erstellung ganzheitlicher Security-Konzepte
  • Integrationsdienstleistungen
    • Implementierung und Konfiguration von Hard- & Software
  • Outsourcing
    • Übernahme von Teilen bzw. des gesamten IT-Bereichs

Zusätzlich repräsentiert sich S&T aufgrund ihrer beiden IoT-Solutions Segmentenals Spezialist im IoT Solutions Geschäft. Mit Hilfe zahlreicher Tochterunternehmen wie Kontron, Kontron Technologies & AIS Automation GmbH verfügt die Gesellschaft über breite IoT, Industrie 4.0 sowie Embedded Computer Technologie-Kompetenzen. Die Produkte und Lösungen der IoT-Segmente umfassen unterschiedliche Märkte wie: Industrielle Automatisierung, Medizintechnik, Luftfahrt, Öffentlicher Transport, Telekommunikation, Energieversorgung, Infotainment, Retail sowie Sicherheit und Verteidigung. Diese Diversifizierung der Absatzmärkte gewährleistet S&T ein bestimmtes Maß an Sicherheit, da die Abhängigkeit von einzelnen Branchen in konjunkturschwächeren Perioden durchaus ausgeglichen werden kann.Sechs Analysten covern dabei die Aktiengesellschaft aktiv, wobei diese mit dem Jahresergebnis 2019 zu folgenden Empfehlungen gekommen sind:

Diese durchaus positiven Einschätzungen gilt es in weiterer Folge im Rahmen meiner Fundamentalanalyse zu untersuchen und gegebenenfalls zu bestätigen oder wiederlegen.

2. Mögliches Wachstum der Märkte

Einer vonseiten des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young durchgeführte Erhebung aus dem Jahre 2019 betrachtet den IoT-Markt als einen stark wachsenden Zukunftsmarkt in Österreich. Der Studie zufolge soll sich dieser im Laufe der Jahre bis 2025 auf 11 Mrd. Euro nahezu verdreifachen, bis 2030 sollen es sogar circa 16 Mrd. Euro werden. Weltweit wird das Marktvolumen von IoT-Anwendungen von damaligen 635 Mrd. US-Dollar (umgerechnet ungefähr 555,9 Mrd. Euro) auf 2,3 Billionen Dollar im Jahr 2030 kalkuliert. Dies entspricht weltweit einem Wachstum von mehr als 12 Prozent p.a.

Der Umsatz mit IT-Dienstleistungen erfährt in Österreich ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit konstantes Wachstum. Hierfür eignet sich eine Statistik aus dem Jahre 2019, die den Umsatz inklusive der Prognose der Jahre 2016 – 2021 darstellt. Ein lineare Trend ist hier eindeutig erkennbar:

Gemäß dieser Schätzung erhöht beziehungsweise erhöhte sich der Umsatz dieser Branche in dem ausgewiesenen Zeitraum durchschnittlich um etwas mehr als 3,5 Prozent jährlich. In der Annahme, dass sich dieser Trend in etwa vorsetzt, kann von einem soliden und stabilen Wachstum des IT-Services Segment innerhalb Österreichs ausgegangen werden. Diese Entwicklung lässt sich mit Blick auf Deutschland (durchaus höhere Prognosen) sicherlich auch auf den größten Teil Europas projizieren. Es ist dabei nicht davon auszugehen, dass in anderen entwickelten Ländern gegensätzliche Trends vorherrschen.

Die Grundlagen für S&T, einen zunehmenden wachsenden IT-Markt anzutreffen und möglicherweise auszunützen scheint folglich gegeben. Das Produktportfolio scheint dafür gut ausgerüstet – mit Ausnahme der Wachstumsraten des „IoT Solutions America“ – Segments folgen S&T‘s Geschäftsbereiche auch dieser Annahme. In dem besagten Segment steht ein Umsatzrückgang in den letzten Jahren zu Buche. Dies ist auf den Abgang zweier wichtiger Stammkunden zurückzuführen, der nicht adäquat kompensiert werden konnte. Weiteres gilt es in der Folge zu analysieren.  

3. Wettbewerbsintensität

Angesichts der noch relativ kleinen Marktkapitalisierung, können Big Player Unternehmen aus der IoT-Branche wie Intel, Nvidia, oder auch Apple als Konkurrenz nicht in Betracht gezogen werden. Dafür erscheinen IT-Technologiekonzerne wie Cancom, Bechtle oder Allgeier besser geeignet. Die aktuelle Marktkapitalisierung S&T’s beläuft sich zum Kurs von 19,00€ (Stand: 15.10.2020) auf circa 1,3 MRD Euro. Cancom ist mit ungefähr 1,7 MRD Euro ein wenig stärker kapitalisiert, während Allgeier mit etwas mehr als 600 MEUR Marktkapitalisierung den geringsten Betrag aufweist. Bechtle stellt wiederum mit mehr als 5,5 MRD Euro Marktwert die höchste Position dar. Vergleicht man das Umsatzwachstum der vier Konkurrenten, so zeigt sich zum einen das unglaubliche Potential der Branche (da alle rasant wachsen), zum anderen aber auch das überproportionale Wachstum seitens S&T in den vergangenen vier Jahren:

Dank eines sehr starken Wachstums (aufgrund von Akquisitionen) belegt S&T im Durchschnitt den ersten Rang in Anbetracht von anorganischem und organischem Umsatzwachstum. In den letzten beiden Perioden entwickelte sich allerdings Bechtle am schnellsten. Nichtsdestotrotz wachsen alle vier Unternehmen jährlich im Verlauf zwischen 2019 – 2016 mehr oder weniger zweistellig. Das führt zu einem durchschnittlichen Wachstum der vier Firmen von über 15 Prozent entlang des Betrachtungshorizontes. Trotz eines hart umkämpften Marktumfeldes im KMU Bereich, stellt sich daher stets ein der Konjunktur stark überproportional wachsendes Segment dar, dessen Wachstum aufgrund zukünftiger Aussichten noch kein Halt geboten scheint. Daher ist die Attraktivität des Sektors noch immer ausdrücklich gegeben.
Nichtsdestotrotz gilt es das von S&T ausgewiesene Wachstum der letzten Berichtsperioden in der quantitativen Analyse zu bestätigen. Hierbei wird der Fokus primär auf eine Unterscheidung zwischen organischem und anorganischem Wachstum gelegt.

Aktienanalyse S&T AG – Quantitative Analyse

1. Wichtige finanzielle Kennzahlen

a. Ertrags- & Rentabilitätskennzahlen

Bis auf die Umsatzverdienstrate hat sich im Vergleich der Jahre 2019 zu 2018 keine Ertrags- bzw. Rentabilitätskennzahl wesentlich verbessert. Im 5-Jahresvergleich erkennt man jedoch eine klare Steigerung in nahezu allen Kennzahlen, wobei der Kapitalumschlag weitestgehend abfällt. Im Laufe der Jahre wird der Effekt des Effizienzverlustes anhand jener Kennzahlen, die die Bilanzsumme im Nenner beinhalten, ersichtlich. Da gerade auf der Aktiva aufgrund von hohen Zuwachsraten bei den Sachanlagen oder beim Goodwill die Bilanzsumme sich immer mehr aufblähte, gelang es S&T nicht, dieser Erhöhung mit einem entsprechenden Umsatz-, EBIT- oder Jahresüberschusswachstum nachzukommen. Nichtsdestotrotz stellt sich die EK-Rendite sowie ein ROCE von konstant über 10 Prozent bei einer EK-quote von mehr als 30 Prozent als durchaus solide dar. Die Umsatzrendite, die EBIT – Marge, das ROI aber auch die Gesamtumsatzrendite lassen von einem eher margenschwachen Geschäft annehmen, dass es in weiterer Folge zu betrachten gilt.

b. Kennzahlen der finanziellen Stabilität

Betrachtet man die Kennzahlen der finanziellen Stabilität, so lassen sich bis auf den hohen Goodwill-Anteil vorwiegend sehr solide Zahlen vorfinden. Zwar grenzt die EK-Quote an der für S&T wichtigen 30 Prozent Marke (gerade in Bezug auf die Finanzierungstätigkeiten der Aktiengesellschaften stellt diese Marke einen wichtigen Financial Convenant dar. Sobald diese Grenze unterschritten wird, können Geldgeber ihren Finanzierungsvertrag kündigen). Gearing, dyn. Verschuldungsgrad sowie Nettoverschuldung/EBITDA weisen auf eine außerordentlich hervorragende finanzielle Stabilität hin. Die Umlaufintensität von über 60 Prozent erhöht die Fähigkeit des Unternehmens flexibel auf mögliche, sich ändernde Markttrends, zu reagieren.

Die Anlagendeckungsgrade weisen darauf hin, dass langfristiges Vermögen langfristig finanziert ist. Zusätzlich sind Teile des kurzfristigen Vermögens als eine Art Puffer langfristig finanziert. Vergleicht man die jeweiligen Kennzahlen zum Vorjahr, so wird jedoch eine Verschlechterung der Kennzahlen ersichtlich. Dies ist vor allem auf die Begebung eines Schulscheindarlehens über 160 MEUR zurückzuführen. Bleiben die entsprechenden Attribute allerdings in Zukunft auf oder um dieses Niveau konstant, muss man sich in Bezug auf die finanzielle Stabilität bei S&T keine großen Sorgen machen.

c. Working Capital – Management

Hinsichtlich der WC-Management Kennzahlen sieht sich S&T sehr gut aufgestellt. Alle drei Liquiditätsgrade weisen wünschenswerte Prozentzahlen auf. Zu verbessern wäre in diesem Kontext die Debitorenlaufzeit, die jedoch noch um einiges geringer als die Kreditorenlaufzeit ausgeprägt ist. Das ist sehr gut für die Aktiengesellschaft, da sie dadurch mehr oder weniger einen kostenlosen Kredit auf Kosten ihrer Kunden erhält. Eine in den letzten Jahren abfallende Vorratsintensität lässt eine geringere Kapitalbindung vermuten und erhöht dementsprechend Rentabilität und Effizient. 

d. Ausschüttungskennzahlen

Als wachsender Technologiewert wäre eine ausgiebige Dividendenrendite vonseiten S&Ts von nahezu utopischer Natur. Nichtsdestotrotz steht bei einem aktuellen Kursniveau (Stichtag: 15.10.2020) von 19,00€ eine Dividendenrendite bei gleichbleibender Ausschüttung wie im Jahre 2019 von 0,83 Prozent zu buche. Die Ausschüttungsquote liegt dabei im Jahr 2019 bei unter 13 Prozent. Weiter plant S&T ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm von 1 Mio. Aktien. Dieses wurde am vierten März gestartet. Gemäß Halbjahresbericht 2020 wurden bereits Aktien im Wert von mehr als 6,5 MEUR zurückerworben. Die diesjährige Dividendenzahlung wurde aufgrund der Covid-19 Krise präventiv unterlassen. Basis für die Berechnungen der Ausschüttungsrenditen sowie der folgenden Bewertungskennzahlen ist für die Spalte „2019“ ein Kurswert von 19€.

e. Bewertungskennzahlen

Als wachsender Technologiewert erweckt ein hoch bewertetes KGV wie auch KBV kein sonderliches Erstaunen. Zum Vergleich, Allgeier hat zum aktuellen Kurs, basierend auf der Zahlengrundlage aus dem Jahre 2019 ein KGV von über 35 und ein KBV von fast 5. Das KUV von S&T ist mit knapp über eins nicht zu hoch bewertet. Die Price Earnings to Growth Ratio zeigt, dass sich S&T noch in einer stärkeren Wachstumsphase befindet, da das hohe KGV auf einen Wert unter 3 mittels des Umsatzwachstums relativiert wird. Die beiden Enterprise Value Kennzahlen weisen relative Konstanz über die letzten Jahre auf. Zunehmende Abschreibungen im Verhältnis zum EBITDA lassen den EV/EBIT Wert im Vergleich zu seinem Pendant EV/EBITDA abfallen.

f. Zusammenfassung der Kennzahlen

Lässt man die geringe Marge von S&T außer Acht, spiegeln sich in den Finanzzahlen des österreichischen Unternehmens durchweg positive Kennzahlen wieder. Die geringe Marge könnte allerdings in Zukunft für größere Probleme sorgen, nämlich dann, wenn die Effizienz in Form des Kapitalumschlages diese nicht mehr kompensieren kann. In weiterer Folge würde S&T keinen Wert mehr erwirtschaften. Nichtsdestotrotz, finanziell ist die Firma auch in Anbetracht ihrer Wachstumsbestrebungen äußerst gut aufgestellt. Den wahren Wert der Aktie erschließt sich in weiterer Folge auf Basis einer umfassenden Aktienanalyse der S&T AG.

2. Aktienanalyse S&T AG

a. Aktienanalyse S&T AG – Equity Methode

Die Umsatzerlöse der S&T AG wurden basierend auf einer hohen Korrelation des organischen Umsatzwachstums der Aktiengesellschaft mit den Umsätzen der IT-Branche in Österreich prognostiziert. Die Korrelation belief sich dabei für die Jahre 2016 – 2019 auf einen Wert P=0,8998. Stützend auf der Gewichtung beider Wachstumsraten (organisches Wachstum S&T/Umsatzwachstum IT Services Österreich; im Schnitt der letzten beiden Jahren liegt das Verhältnis bei 2,82), können die Gesamteinnahmen des Unternehmens kalkuliert und vorhergesagt werden:

Ab dem Jahre 2026 wird von einem ewigen Wachstum von drei Prozent ausgegangen. Dadurch können die Umsätze in den Folgejahren annäherungsweise geschätzt werden (ab 2022 wird das IT-Service Wachstum geschätzt, da die zugrunde liegenden Information leider nicht kostenfrei verfügbar sind). Die zu verwendete EBIT-Marge bezieht ihr Fundament aus dem Jahr 2019, als sie bei circa 5,50 Prozent lag. Im Laufe der Jahre wird die EBIT-Marge auf 6,99 Prozent kontinuierlich erhöht (Jahr 2026).

Im Anbetracht der Material – , der Personal- und sonstigen Aufwände sowie der Belastungen aus Abschreibungen und Amortisation der letzten Jahre, erscheint diese zukünftige EBIT-Marge als durchaus realistisch. Aus meiner Sicht wird sich der prozentuale Anteil der relativ konstanten Kosten der Abschreibungen (Jahr 2019 aufgrund der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 verdoppelt; da die Nutzungsrechte ein erstes Mal im AV erscheinen und demnach abgeschrieben werden müssen) sowie der sonstigen Aufwände zunehmend verringern. Einen prognostizierten Verlauf der prozentualen Änderung, und damit der direkte Einfluss auf die EBIT-Marge der einzelnen Kosten- aber auch Einnahmefaktoren ist hier dargestellt:

Die anteiligen Material- und Personalkosten werden dabei konstant gehalten. Der absolute Betrag des sonstigen Aufwands ist in den letzten Jahren sehr konstant verlaufen, trotz Umsatzsteigerungen. Davon ist auch in Zukunft auszugehen, daher sinkt hier die prognostizierte prozentuale Margenbelastung um beispielsweise 1,55 Prozent. Gleichzeitig fällt aber auch der Margenbeitrag der sonstigen Erträge und der aktivierten Entwicklungskosten. Summa Summarum ergibt sich bis 2026 ein Margenaufschlag von 1,48 Prozent. Diesen Wert gilt es zur EBIT-Marge aus dem Jahr 2019 zu addieren, wodurch eine „finalen“ Marge von 6,99 Prozent resultiert. Der Prozentsatz wird im Laufe der Prognosejahre schrittweise angenähert.

Das Finanzergebnis beläuft sich auf das Netto-Finanzergebnis des vergangenen Jahres und beträgt 7,69 MEUR. Die Steuerquote wird im Gegensatz zu den Steuerquoten der Vorjahre auf 25 Prozent gesetzt. Dabei handelt es sich um den Part der Körperschaftssteuer in Österreich. In den letzten Jahren konnte mittels des Einbezug von nicht realisierten Verlustvorträgen die Steuerbelastung entsprechend gedrückt werden. In Zukunft wird von dieser Möglichkeit nicht mehr ausgegangen. Die Anteile Dritter sind mit 0,2 MEUR über die zukünftigen Jahre festgehalten (es ist geplant, diese in der nahen Zukunft weiterhin zu reduzieren).

Somit ergibt sich das jeweilige Periodenergebnis der zukünftigen Jahre. In weiterer Folge müssen die Abschreibungen/Amortisationen hinzugerechnet, sowie zukünftige Investitionen subtrahiert werden. Zum Ende der Prognoseperiode sollten sich Abschreibungen und Investitionen mehr oder weniger aufheben. Die WC-Veränderungen resultieren aus einem fest gesetzten Verhältnis zum Umsatz , das in den letzten Jahren bei ungefähr 14,42 Prozent betrug. Den Diskontfaktor stellen die Eigenkapitalkosten dar. Diese ergeben sich aus den dargestellten Zusammenhängen:

Ein Risikoaufschlag von 0,64 lässt EK-Kosten von mindestens acht Prozent annehmen. Dieser recht hohe Aufschlag resultiert primär aus dem operativen Hebel. Die hohen Fixkosten in Relation zum EBIT lassen das operative Risiko von S&T ansteigen. Von den acht Prozent wird in weiterer Folge der risikolose Zinssatz einer 10-Jähirgen Staatsanleihe summiert, der mit -0,65 Prozent festgelegt ist. Dadurch ergeben sich EK-Kosten von 7,35 Prozent.

Somit sind alle notwendigen Daten ermittelt, weshalb sich mithilfe der Diskontierung zukünftiger Free Cashflows sowie der kalkulierten ewigen Rente (Wachstum von 3,0 Prozent für das imaginäre Jahr 2028) der Eigenkapitalwert festlegen lässt. Dieser wird durch die Aktienanzahl (66,909 Millionen) geteilt, wodurch sich ein fairer Aktienwert von 23,68€ ergibt. Bei einer berücksichtigten Margin of Safety von 25 Prozent, gilt auf Basis dieser Berechnung ein Einstiegskurs bei 17,76€ als vernünftig. Dies gilt es nun mittels der Übergewinn – Methode zu überprüfen.

b. Aktienanalyse S&T AG – Übergewinn Methode

Nachdem das operative Nettobetriebsvermögen bestimmt wurde, gilt es die Gewinne/Verlust wie auch das Nettofinanzergebnis in nachhaltige und temporäre Beträge zu trennen.

Die temporären Einkünfte sind dabei primär dem sonstigen Ergebnis zuzuschreiben wie beispielsweise unrealisierte Gewinne/Verluste aus der Währungsumrechnung. In weiterer Folge können die für die Berechnung der Übergewinne relevanten Wertreiber bestimmt werden:

Die bereits schon angesprochene geringe operative Gewinnmarge (dabei wird das Finanzergebnis außer Acht gelassen; hier rückt nur das operative Geschäft in den Fokus) unterliegt in Bezug auf den berücksichtigten Nachhaltigkeitsaspekt einer weiteren Reduktion. Die hohe Kapitalumschlagshäufigkeit, also die sehr hohe Effizienz vonseiten des Unternehmens kann diesen negativen Effekt jedoch ausgleichen. Dadurch wird eine nachhaltige operative Rendite auf das Nettobetriebsvermögen von 14,62 Prozent im Jahr 2019 möglich. Die nachhaltige Rendite erlitt jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen Abfall von knapp zwei Prozent. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Umsätze nicht analog zu den Steigerungen der Kapitalintensitäten der Aktiva – Positionen „Goodwill“ und „Sachanlagen“ folgen konnten. Die Sachanlagen haben sich beispielsweise in ihrer Kapitalintensität mehr als verdoppelt (IFRS 16). Der Goodwill stieg von zwölf auf circa 17 Prozent. Der erhöhte Goodwill ist mit weiteren Übernahmen im Jahr 2019 begründet (bspw. Kapsch Carriercom mit 57 MEUR Firmenwert).

Der hinzunehmende Abschlag in der operativen Gewinnmarge zum Vorjahr 2018 (4,68 zu 4,98 Prozent) resultiert dabei weitestgehend auf höheren Personalkosten und Abschreibungen (IFRS). Diese konnten durch eine geringere Kapitalintensität der sonstigen betrieblichen Aufwände nicht vollständig ausgeglichen werden:

Die Prognose der Umsatzerlöse erfolgte wie bereits beim Equity-Verfahren beschrieben. Die Grundlage hierfür bietet das organische Wachstum der letzten Jahre. Umsatzzuwächse durch Firmenakquisitionen sind daher herausgerechnet. Dadurch ergeben sich folgende organische Umsätze aus den letzten Jahren (die erste Zeile „Umsatz“ stellt den Umsatz aus dem Erwerb von Gesellschaften in dem jeweiligen Jahr dar):

Ergänzend gilt es das operative Nettobetriebsvermögen zu prognostizieren. Hier bietet sich die Kapitalintensität auf die Umsätze der letzten Jahre als geeigneten Referenzwert an. Für das operative Vermögen sowie die analogen operativen Schulden wird dabei das arithmetische Mittel der letzten drei Jahre angewendet (2016 & 2015 werden aufgrund größerer Ausschläge vernachlässigt). 

Die jeweiligen Kapitalintensitäten werden in Betracht des 3-Jahresdurchschnittes auf das Jahr 2026 ausgesteuert:

Analog bereits beschriebenen Analysen ist davon auszugehen, dass sich der Goodwill wie auch der Sachanlagen-Anteil im Verhältnis zum Umsatz senkt, daher wird eine Kapitalumschlagshäufigkeit von 2,865 als realistisch angedacht. In den ersten Jahren der Prognose nähern sich die entsprechenden Werte den zukünftig festgelegten Prozentsätzen an. Der „finale“ Wert liegt dabei immer noch deutlich unterhalb des Betrages aus 2019 (3,122). Da sich dieser aber vorrausichtlich im laufenden Jahr 2020 stark reduzieren wird, rechne ich mit keiner vollständigen Erholung des Indikators bis 2026. S&T hat damit mit einem Effizienzverlust zu rechnen.

Die operative Gewinnmarge wird basierend auf den vergangenen maßgeblichen Margentreibern u.a. Materialaufwand, Personalaufwand, sonst. Aufwand, Ertragssteuern, Abschreibungen etc. prognostiziert. Für die Zukunft wird dabei von einer nachhaltigen operativen Gewinnmarge vor Steuern von 6,56 Prozent ausgegangen. Ausgehend vom Wert aus dem Jahre 2019, liegt diese 1,48 Prozent darüber (vgl. auch Equity – Methode) . Zur Kalkulation der „ewigen Gewinnmarge“, nähern sich die entsprechenden Wertreiber im Laufe der zukünftigen Jahre dem Endbetrag näherungsweise an:

Somit sind alle notwendigen Indikatoren für die Aktienanalyse der S&T AG bestimmt. Letztlich sind noch die Kapitalkosten zu ergänzen. Die gewichteten Kapitalkosten setzen sich aus den gegebenen Fremdkapitalkosten und den, bereits in der Equity – Methode definierten, EK-Kosten zusammen. Der Prozentsatz für die FK-Kosten kann aus dem Geschäftsbericht 2019 entnommen werden. Dieser liegt beim Schuldscheindarlehen über 160 MEUR aus dem Jahre 2019 zwischen 1,1-1,3 Prozent. Ich gehe trotzdem von einem etwas höheren Wert von 1,5 Prozentpunkten aus. Somit ergeben sich im Anbetracht der gewichteten Verrechnung mit den EK-Kosten in Höhe von 7,35 Prozent Gesamtkapitalkosten von summa summarum 6,26 Prozent. Das Übergewinn Modell setzt sich schlussendlich wie folgt zusammen:

Gemäß der Übergewinn-Methode beträgt der faire Wert der S&T Group 25,04€ je Anteilsschein. Die Margin of Safety bei 18,78€ gilt es dabei als möglichen Einstiegskurs zu betrachten. Bei der Kalkulation ist zunächst von einem sinkenden nachhaltigen operativen Gewinn in 2020 auszugehen (aufgrund des Steuersatzes von 25 Prozent). Aus Sicherheitsgründen, nicht zu optimistisch zu kalkulieren, ist dies definitiv von Nöten. Diese erhöht sich auf Basis eines konstanten Wachstums auf mehr als 100 MEUR im Jahre 2026. Als Beleg der eher konservativen Planung offenbart sich das Gesamtergebnis aus dem prognostizierten Jahr 2021, das noch unter dem ausgewiesenen Periodenerfolg in 2019 liegt.

3. Aktienanalyse S&T AG – Entscheidung

Die letztliche Entscheidung, ob sich ein Investment in S&T lohnt oder nicht, hängt vom kalkulierten fairen Preis der Aktiengesellschaft ab. Der faire Wert des österreichischen IT-Unternehmens liegt gemäß meiner beiden Analysen zwischen 23,68€ – 25,04€. S&T stellt dabei eine Aktiengesellschaft mit zu erwartenden hohen Volatilität, gepaart mit einem sehr wachstumsbestrebten und erfolgsversprechenden Geschäftsmodell dar. Daher habe ich die Margin of Safety mit 25 Prozent nicht allzu tief festgelegt. Laut dieser Analyse lautet meine Einschätzung für das Unternehmen „HOLD“, da die Spanne der Margin of Safety (17,76€ – 18,76€) nicht vom aktuellen Kursniveau ca. 19,00€ unterboten wird.
Da der jetzige Kurswert jedoch den Bereich der beiden Margins of Safety kratzt, lautet die Tendenz eher „BUY“ als „SELL“. Risikoreichere Investoren können mit diesem Unternehmen durchaus ihr Portfolio erweitern.

MethodeFairer Preis/AktieMargin of SafetyEinstufungTendenz
Übergewinn-
Methode
25,04€18,78€HOLD„BUY“
Equity-
Methode
23,68€17,76€HOLD„BUY“

Die Kritik eines nachhaltigen margenschwachen Geschäfts, die S&T AG wiederfahren ist, kann im Großen und Ganzen bestätigt werden. Dennoch wird dies aufgrund einer hohen Effizienz ausgeglichen, weshalb eine Diskreditierung des Geschäftsmodells meiner Ansicht zu diesem Zeitpunkt nicht korrekt ist. Dennoch muss eine Erhöhung der Marge das Ziel Nummer eins in den nächsten Jahren sein. Sollte dies nachhaltig und überaus zufriedenstellend gelingen, kann die dargestellte Unternehmensbewertung als zu pessimistisch angesehen werden. Die Entwicklung des Informationstechnologie-Konzerns gilt es weiter gespannt zu verfolgen.

Die verwendeten Prozentzahlen in der Aktienanalyse der S&T AG sind in aller Kürze beschrieben und unterliegen einer detaillierten Analyse, auf welche ich aus Übersichtlichkeitsgründen nicht genauer eingehe. Gerne kannst du mir jederzeit Fragen schicken, worauf ich dir meine Analyse fundierter begründe.

Investiere smart, nachhaltig & erfolgreich!!

Klicke um zu bewerten
[Gesamt: 13   Durchschnitt:  4.9/5]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.