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Portfoliodiversifikation – Wandelanleihe

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Zuletzt aktualisiert am August 13, 2021

Das Ziel eines jeden Investors sollte es sein, das jeweilige Portfolio möglichst optimal diversifizieren und somit eventuelle Marktschwankungen bestmöglich abfedern zu können. Ein in der Finanzwelt bisweilen unbeschriebenes Blatt stellt dabei die Investitione in eine Wandelanleihe dar.
Mindestbeiträge in Form von Stückelungsbeträgen von bis zu € 100.000 verwehren vielen Privatanlegern einen entsprechenden Zugang. Es gibt allerdings noch andere Wege, in Wandelanleihen mittels kleineren Investitionssummen zu investieren. Aber beginnen wir erst einmal damit, wie sich Wandelanleihen denn überhaupt definieren?

Was ist eine Wandelanleihe?

In der Grundidee unterscheiden sich Wandelanleihen von „normalen“ Anleihen nur in einem Punkt – dieser ist jedoch entscheidend und wesentlich. Zunächst erwirbt der Investor analog zur klassischen Anleihe die Schuldscheine einer Gesellschaft, wofür dieser einen zuvor festgelegten jährlichen Zinskupon zugesprochen bekommt. Nach Ablauf der Wandelanleihe erhält der Investor ebenso den Nennwert (also den Investitionswert) der Anleihe zurück. Der kleine aber feine Unterschied zur Anlageklasse einer normalen Unternehmens- oder Staatsanleihe liegt allerdings in der Höhe der angebotenen Zinssätze und vor allem im Grund ihrer Divergenz.

Bei der Emittierung einer Wandelanleihe wird vertraglich festgelegt, dass unter Umständen beide Vertragspartner (also auch der jeweilige Zeichner der Schuldverschreibung) das Recht erlangen, die Anleihe in ein Aktienpaket umzutauschen. Man spricht hierbei von einer Wandeloption – diese kann freiwillig aber auch verpflichtend sein. Letzteres resultiert oft in einem höheren Risiko seitens des Zeichners oder Zeichnerin, weshalb hier wiederum der Zinskupon höher als bei der gewöhnlichen Anlageform sein könnte. Die Erstgenannte, also die freiwillige Option, eine Wandelanleihe in ein Aktienpaket umzuwandeln stellt dabei den wesentlichen Grund dar, weshalb der Zinskupon einer Wandelanleihe unterhalb derer einer klassischen Unternehmensanleihe liegt.

Der Zeichner verfügt folglich über das Recht, zum einen die Anleihe inklusivem fest verzinslichen Zinssatz bis zum Ende der Wertpapierfrist fortzuführen. Zum Anderen besteht aber auch die Möglichkeit, die Wandelanleihe zu einem zuvor festgelegten Umtauschkurs in Aktien des emittierenden Unternehmens umzuwandeln. Es kann daher ebenfalls von steigenden Aktienkursen profitiert werden. Der zugrundeliegende Wandlungskurs (also der Aktienkurs, bei dem dieser „Umtausch“ ausführbar ist) wird bei der jeweiligen Emission definiert.

Inwiefern eignet sich eine Investition?

Im Sinne der Diversifikation eines Investmentportfolios eignet sich die Wandelanleihe aufgrund zwei wesentlicher Faktoren. Zum einen erhält man eine bestimmte Verzinsung (gering, aber stets höher als aktuelle Sparzinsen) auf sein investiertes Vermögen, zum anderen besteht aber auch die Möglichkeit von steigenden Aktienkursen zu profitieren. Ich möchte hier ein kleines Beispiel aufzeigen, um den Sachverhalt ein wenig verständlicher darzustellen: Das chinesische Technologieunternehmen NIO emittierte im März 2020 eine Wandelanleihe mit einem Jahr Laufzeit – inklusive der Wandlungsoption bei 3,50 Dollar. Die Anleger konnten demnach ihr mit der Anleihe erworbenes Finanzvermögen direkt in Aktien des Elektro-Auto Start-Ups umtauschen. Betrachtet man rückwirkend die Entwicklung des Marktwertes des asiatischen Unternehmens, stellt der aktuelle Aktienkurs circa das Achtfache des damals ausgewiesenen Wandlungskurses dar – eine Wandlung wäre demnach höchst profitabel gewesen.

Natürlich gehen mit Wandelanleihen auch Risiken und Probleme einher. Die Wandlungskonditionen können demnach so gestaltet sein, dass diese zum Nachteil des Investors ausgelegt sind. Bevor man als Privatanleger also blind in Wandelanleihen investiert, muss eine detaillierte Analyse der einhergehenden Rahmenbedingungen erfolgen. Daher eignet sich die gesonderte Investition in diese Anlageform nur für Investoren, die mit dieser Materie stark vertraut sind. Zusätzlich besteht immer die Möglichkeit, dass das emittierende Unternehmen insolvent geht und die Anleihe nicht mehr tilgen kann. Ein Blick auf das jeweilige Bonitäts – Rating des Emittenten kann hier Abhilfe schaffen. In einem anderen Beitrag möchte ich auf die unterschiedlichen Ratings näher eingehen. Zuletzt wird Privatanleger der Zugang zu Wandelanleihen oftmals verwehrt, indem hohe Mindeststückelungsbeträge vorausgesetzt werden. Diese liegen wie bereits erwähnt meist bei über € 100.000, was eine gesunde Portfoliodiversifikation zahlreicher Kleinanleger sprengen dürfte.

Wie kann ich also als Privatanleger von einer Wandelanleihe profitieren?

Investments in Einzelaktien sind nur erfahrenen und mit der Thematik vertrauten Investoren zu empfehlen. Weniger informierten Investoren öffnet sich der Aktienmarkt dagegen mittels eines Angebotes zahlreicher ETF – Anbieter. Zum Markt der Wandelanleihen kann durchaus eine Analogie gebildet werden. Da der Handel mit Wandelanleihen unter dem Stern einer oftmals komplexen Materie steht, sich der Großteil der Privatanleger die geforderte Mindeststückelungssumme partout nicht leisten kann, können diese auch hier auf einen „Alternativ-Markt“ ausweichen. Wenn auch nicht im gleichen Ausmaß zu Aktien-ETFs, besteht auch für Wandelanleihen eine ETF – Lösung. Das ermöglicht weniger liquiden Investoren bereits mit kleinen monatlichen Sparraten in Wandelanleihen zu investieren. Einer der wenigen zugänglichen ETFs stellt der SPDR Refinitiv Global Convertible Bond (WKN:A12CZS) dar. In weiterer Folge möchte ich auf diesen, gerade auch im Hinblick auf seine Performance im Krisenjahr, in einem Folgebeitrag näher eingehen. 

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